08.10.2001

SPEKTAKELStreit um „Liebeslaube“

Eine geplante Soirée des Zürcher Ring-Theaters mit Texten von Joseph Goebbels, dem Propagandaminister des Dritten Reichs, sorgt für Empörung in den jüdischen Gemeinden der Schweiz, obwohl der Regisseur André Steger die Veranstaltung mit dem Titel "Komm in meine Liebeslaube!" ausdrücklich nicht als "Provokation" verstanden wissen will: Vielmehr solle das Publikum "auf vergnügliche Weise mit Texten von Joseph Goebbels bekannt gemacht und unterhalten werden". Das Vergnügen, so Steger, liege in diesem Fall "im Erkennen der Struktur faschisierter Sprache". Bevor Goebbels eine führende Rolle bei den Nazis einnahm, hatte er sich erfolglos als Schriftsteller versucht. Am 23. Oktober soll die Premiere der Soirée sein - trotz aller Kritik: Sigi Feigl, der Ehrenpräsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, verurteilte das Vorhaben als "absolute Geschmacklosigkeit". "Da kann man ja auch einen Schwank über das Vernichtungslager Auschwitz inszenieren." Rechtliche Schritte gegen das Ring-Theater schließt Feigl nicht aus.

DER SPIEGEL 41/2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/2001
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

SPEKTAKEL:
Streit um „Liebeslaube“