08.10.2001

FRANKFURTER BUCHMESSEKrimi-Tipps

Michael Connelly: "Dunkler als die Nacht". Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb. Heyne Verlag, München; 464 Seiten; 42,93 Mark.
Der Fall ist so bizarr, dass Terry McCaleb vom FBI aus dem Ruhestand zur Hilfe gerufen wird: Ein Mörder mit Vergnügen an makabren Verwirrspielen arrangiert die Leiche seines Opfers so, dass McCaleb schließlich eine Beziehung zu den apokalyptischen Bildern des Altmeisters Hieronymus Bosch erkennt. Michael Connelly, 44, beschreibt virtuos die Jagd nach einer Bestie, von der bis zuletzt nicht klar ist, ob sie nicht doch zum Polizeidienst gehört. -------------------------------------------------------------------
Karin Fossum: "Stumme Schreie". Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Piper Verlag, München; 320 Seiten, 38 Mark.
Die Frau, die grausig zugerichtet am Rande eines norwegischen Dorfes gefunden wird, passt so gar nicht in die beschauliche Umgebung. Ihre Füße stecken in Goldsandalen, ihr Kleid besteht aus schimmernder Seide. Bald stellt sich heraus, dass die Frau aus Bombay stammt. Doch wer hat ein Motiv, die Unbekannte so bestialisch zu ermorden? Karin Fossum, 47, lässt den spröden Kommissar Konrad Sejer ermitteln, der trotz der Lügen der wenigen Zeugen langsam zur Wahrheit vordringt. Ein eindringliches Sozialporträt. -------------------------------------------------------------------
Giorgio Scerbanenco: "Das Mädchen aus Mailand". Aus dem Italienischen von Christiane Rhein. Kremayr & Scheriau Verlag, Wien; 256 Seiten; 38 Mark.
Ein sympathischer Ermittler aus Italien: Duca Lamberti, Arzt, doch vorübergehend ohne Zulassung, betreut einen trunksüchtigen Industriellensohn. Dieser hatte Kontakt zu einem Mädchen, das tot aufgefunden wurde. Lamberti kommt einem CallgirlRing auf die Spur und verfolgt ihn mit Instinkt und Mut. Autor Scerbanenco (1911 bis 1969), in seiner Heimat gerade wiederentdeckt, hat seinen melancholischen Helden bereits vor 35 Jahren erschaffen. Das von ihm beschriebene Italien, in dem sich arme Schlucker gegen Korruption und Ausbeutung wehren, ist bemerkenswert aktuell. -------------------------------------------------------------------
Renate Kampmann: "Die Macht der Bilder". Haffmans Verlag, Zürich; 512 Seiten; 39 Mark.
Leonie Simon ist neu in der Hamburger Gerichtsmedizin. Gleich die erste Leiche, die sie sezieren muss, konfrontiert die neugierige Medizinerin mit einem verzwickten Fall. Frau Doktor mischt sich mehr in die Ermittlungen ein, als für sie gut ist. Ihre Beziehung zum Hauptverdächtigen, der behauptet, Verbrechen vorhersehen zu können, macht die Lage für sie nicht gerade einfacher. Renate Kampmann, 53, ist ein originelles Debüt geglückt, und nicht mal eine Überdosis Übersinnlichkeit kann die Spannung trüben. -------------------------------------------------------------------
Pierre Magnan: "Tod unter der Glyzinie". Aus dem Französischen von Ute Bechberger und Cornelia Weinkauf in Zusammenarbeit mit Irène Kuhn. Scherz Verlag, Bern; 260 Seiten; 40,09 Mark.
"Geh, wohin dein Bauch dich trägt" könnte das Motto von Kommissar Laviolette lauten, während er in der Haute-Provence ermittelt. Jeanne, die Pflegerin der kühlen Madame Gobert, wird ermordet. Die Dorfbewohner reagieren verstockt auf den hartnäckigen Kommissar, der schließlich doch auf dunkle Geschichten stößt, die in der Vergangenheit liegen. Geschickt legt Autor Magnan, 79, falsche Fährten und fasziniert vor allem durch die Schilderung von Laviolettes schillerndem Charakter. -------------------------------------------------------------------
Daniel Silva: "Der Auftraggeber". Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner. Piper Verlag, München; 480 Seiten, 39,80 Mark.
Er hatte sich aus der Welt der Geheimdienste schon verabschiedet - aber als der israelische Botschafter in Paris bei einem Attentat ums Leben kommt, kann sich der Topagent Gabriel Allon nicht länger als Restaurator in der Provinz verkriechen. Reaktiviert, soll er nun den Terroristen Tariq al-Harouni jagen, der Jassir Arafat umbringen will, weil dieser angeblich die Sache Palästinas verraten hat. Und so muss ausgerechnet der israelische Geheimdienst den Palästinenser-Chef schützen. In der heutigen Krisenlage wirkt der Thriller von Daniel Silva, 39, geradezu gemütlich antiquiert.

DER SPIEGEL 41/2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 41/2001
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

FRANKFURTER BUCHMESSE:
Krimi-Tipps

  • Webvideos der Woche: Truck landet auf Hausdach
  • Automesse IAA: Klimaaktivisten blockieren Eingänge
  • Erosion an der Elfenbeinküste: "Unsere Toten verlassen uns schon"
  • Braunkohletagebau in der Lausitz: 8000 Arbeitsplätze, 4 Tagebaue, 130 Dörfer weg