22.10.2001

GESTORBENErika Mitterer

Erika Mitterer, 95. Den letzten Gedichtband veröffentlichte sie mit über 80 Jahren. Doch weder Poesie noch katholisch engagierte Romane ("Der Fürst der Welt") haben die Wiener Autorin berühmt gemacht, sondern ein Dichter-Dialog: Im Mai 1924, mit 18 Jahren, sandte sie bewundernde Verse an Rainer Maria Rilke, und der antwortete freundlich-zart: "Dass Du bist genügt. Ob ich nun wäre, / lass es zwischen uns in Schwebe sein." Immer wieder ermutigte er die junge Kollegin: "Wie die Dichter bist Du doppelt innen / und gebunden an ein dunkles Du." Dankbar antwortete sie - und hat so noch Rilkes allerletzte vollendete Verse um das Rätsel des Lebens inspiriert. Sein Gedicht "Für Erika" endet: "Über dem Nirgendssein spannt sich das Überall! / Ach der geworfene, ach der gewagte Ball, / füllt er die Hände nicht anders mit Wiederkehr: / rein um sein Heimgewicht ist er mehr." Erika Mitterer starb am 14. Oktober in Wien.

DER SPIEGEL 43/2001
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