29.10.2001

TERRORFAHNDUNGFrüher Verdacht

Einen mutmaßlichen Hintermann der Anschläge vom 11. September hat das Bundeskriminalamt (BKA) schon sehr viel länger im Visier als bisher bekannt. Gegen den als Komplizen Osama Bin Ladens verdächtigen Hamburger Kaufmann Mamoud Darkazanli, 43, und vier weitere Personen ermittelt das BKA bereits seit 1996 auf Ersuchen der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wegen Geldwäsche. Schon damals besaß Darkazanli Vollmacht für ein Konto von Mamduh Salim, dem mutmaßlichen Finanzmanager von Bin Laden, sowie enge Kontakte zu weiteren Verdächtigen aus dem Umfeld der Terrorgruppe al-Qaida. Bei den Zahlungsüberprüfungen im Rahmen der Geldwäschefahndung tauchten damals zahlreiche Personen auf, die auch heute bei den Ermittlungen gegen mutmaßliche Helfer und Unterstützer der drei Todespiloten aus Hamburg eine Rolle spielen - etwa Haydar Z., ein islamistischer Fundamentalist und mutmaßlicher Bin-Laden-Mann aus Hamburg. Als im September 1998 Salim bei München verhaftet wurde, geriet dadurch auch Darkazanli ins Visier der Staatsschutzabteilung des BKA, die den Fall übernahm. Generalbundesanwalt Kay Nehm lehnte jedoch ein Terrorismus-Strukturermittlungsverfahren gegen Darkazanli Anfang 2000 ab - mit dem Hinweis auf mangelnden Anfangsverdacht (SPIEGEL 41/2001).
Zur Begründung hieß es, dass die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Gruppierung nur dann strafbar sei, wenn die Handlungen als solche gegen deutsches Recht verstießen. Dieses aber war damals durch den Geldwäschevorwurf schon der Fall. Mittlerweile hat die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Nehm um Übernahme des alten Geldwäscheverfahrens gebeten. Ein Sprecher des Generalbundesanwalts erklärte gegenüber dem SPIEGEL: "Der Sachverhalt ist bekannt und wird in die laufenden Ermittlungen einbezogen."

DER SPIEGEL 44/2001
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