18.03.2002

HOLZMANN„Der Markt hat sein Urteil gefällt“

Schwere Vorwürfe gegen das Management der Philipp Holzmann AG haben die an den Rettungsverhandlungen beteiligten Banker erhoben. Die Kreditgeber bemängeln, dass der marode Baukonzern noch immer kein funktionierendes Controlling-System eingeführt habe. "Sonst könnte sich der noch im Dezember prognostizierte Jahresverlust von unter 80 Millionen Euro nicht binnen weniger Wochen verdreifachen", schimpfte der Vertreter einer großen Gläubigerbank. Nach wie vor lehnen HypoVereinsbank, Dresdner Bank, Commerzbank und Bankgesellschaft Berlin den bisherigen Rettungsplan der Deutschen Bank ab. Doch die Zeit drängt. In den nächsten Tagen werden Gehaltszahlungen und Sozialversicherungsbeiträge fällig, die Holzmann ohne Hilfe der Banken, die ihre Kreditlinien wegen der erneuten Probleme gesperrt haben, nicht mehr leisten kann. Unter den Bankern herrscht Skepsis, ob eine Rettung - es wäre die dritte in fünf Jahren - überhaupt möglich ist. "Der Markt hat sein endgültiges Urteil über den Konzern gefällt", so ein beteiligter Banker. Unterdessen erwägt auch die Wertpapier-Aufsicht, sich einzuschalten: Noch am Mittwoch hatte sich Rolf Breuer, Chef der Deutschen Bank und damit des größten Holzmann-Aktionärs, äußerst optimistisch über die Sanierungschancen geäußert - was möglicherweise ad-hoc-mitteilungspflichtig gewesen wäre und obendrein den Tatbestand der Marktmanipulation erfüllen könnte. Der Aktienkurs kletterte um rund 11 Prozent nach oben, brach in den beiden folgenden Tagen aber um mehr als 20 Prozent ein.

DER SPIEGEL 12/2002
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