25.03.2002

GESTORBENLuise Rinser

Luise Rinser , 90. Sie war die Mutter Zivilcourage der deutschen Nachkriegsliteratur, bayerisch, aber sozialistisch, katholisch, aber antiklerikal, und in einem selbst verfassten Nachruf vor zehn Jahren hieß sie sich einen "Störfaktor". Vor allem ihre Romane um rebellische Frauen brachten ihr treue Leserinnen, und weil sie eher volkstümlich pädagogisch als literarisch ambitioniert schrieb, blieben ihr höhere Weihen versagt, nicht aber über fünf Millionen Weltauflage. Die Tochter eines Lehrers wurde selbst Lehrerin und kam gegen Ende des Krieges wegen "Wehrkraftzersetzung" ins Gefängnis - in NS-Publikationen der dreißiger Jahre hatte sie noch den "großen Führer" angehimmelt. Nachdem die Ehe mit dem Komponisten Carl Orff gescheitert war, zog sie gen Italien, in die Nähe von Rom, wo sie länger als 30 Jahre lebte und schrieb. Sie engagierte sich für Willy Brandt und Nordkorea (wo sie "Kirchtürme und Glockengeläut" vermisste), und 1984 kürten sie die Grünen zur Bundespräsidenten-Kandidatin. Luise Rinser starb am 17. März im oberbayerischen Unterhaching.

DER SPIEGEL 13/2002
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