16.07.1952

MONSCHAUKnüppel in die Hand

Ein lebhafter Herr in den Fünfzigern betrat das über dem Bahnsteig 1 gelegene Büro der Kölner Bahnhofs-Buchhandlung, stellte sich als Generalintendant Strohm, Leiter der Monschauer Festspiele 1952, vor und erbot sich, im Rahmen der Mittwochs-Gespräche über das Thema "Kampf gegen die Zuständigkeit der Unzuständigen - eine drängende Aufgabe zur Rettung der deutschen Kultur" zu referieren.
Bahnhofs - Buchhändler Gerhard Ludwig, der dem interessanten Gast zuvorkommend den 18. Juni reservierte, hatte jedoch noch nicht einmal die Einladungen hinausgeschickt, als auch schon ein zweiter Besucher aus Monschau kam, der Rechtsanwalt E. Geyer. "Verhindern Sie um Gottes willen, daß Strohm hier redet", warnte er eindringlich. Gegen Strohm laufe bereits eine einstweilige Verfügung: er führe den Titel eines Leiters der Monschauer Festspiele zu Unrecht.
Das war die letzte Spur von Generalintendant Heinrich K. Strohm, die der Kulturring Monschau verfolgte. Seitdem hat man in Monschau den Mann, der dort sechs Wochen lang als Theater - Organisator wirkte, nicht wiedergesehen. Seinetwegen haben die Monschauer dieses Mal schwer daran zu tragen, daß sie ihre fünf Sommer alte Festspieltradition hochhielten.
Während anderswo in Nachkriegs-Deutschland der Slogan "Jede Stadt ihre eigene Festspielwoche" erst langsam populär wurde, hatte sich Monschau (2500 Einwohner, in Worten: zweitausendfünfhundert) verhältnismäßig früh dieser Art massierter Bühnenerlebnisse angenommen. Schon vor fünf Jahren, im August 1947, pilgerten die ersten Theaterfreunde der Umgegend in das Barock-Städtchen, um sich auf der hochgelegenen, romantischen Burgruine Johann Wolfgang Goethes "Iphigenie" anzusehen.
Im Gegensatz zu so vielen anderen Bühnen, die über Nacht ihre Dramen, Komödien und Opern, zu Festspielen gebündelt, als kulturelles Ereignis anpriesen, konnte Monschau auf eine gewisse Tradition zurückblicken. Jahrzehnte hindurch hatte es auf der Burg seine "Heimatspiele" inszeniert, deren Repertoire sich allerdings im wesentlichen auf zwei Stücke beschränkte: "Wilhelm Tell" und "Land in Not", ein wildes Raubritter-Spiel aus dem Dreißigjährigen Krieg.
Den lokalen Rahmen der Heimatspiele des stillen Städtchens an der Grenze sprengte erst der ehrgeizige Lehrer Herbert W. Kranzhoff, der nach dem Kriege Kultur-Dezernent in Monschau wurde. Er gab den Festspielen mit dem Motto "Dem Frieden der Völker" erst ein ordentliches ethisches Rückgrat.
Durch seine Lage im Dreiländereck Deutschland-Holland-Belgien sei Monschau geradezu prädestiniert, die Verbundenheit mit Europa zu dokumentieren, rührte Kultur-Dezernent Kranzhoff die Reklametrommel. Französische, belgische und holländische Ensembles, die auf der Burg gastierten, setzten den europäischen Verständigungsgedanken in die kulturelle Praxis um.
Im unablässigen Bemühen um die Vorbereitung und Abwicklung von Festspielen verschaffte Kranzhoff dem völkerverbindenden Monschau immerhin so viel publicity, daß die Außenminister Robert Schuman und Graf Sforza, der Europa-Ritter Graf Coudenhove-Kalergi und der Dichter Hermann Hesse Glückwunschbotschaften schickten. Im Programmheft der "Monschauer Festspiele 1951" konnte man Beiträge des Philosophen Martin Heidegger und der Schriftsteller Ernst Penzoldt und Waldemar Bonsels ("Biene Maja") lesen.
Zur Eröffnung spielte das Essener Städtische Orchester unter Leitung von Gustav König Bela Bartoks nicht eben volkstümliches Divertimento für Streichorchester, der englische Pianist John Hunt riß die Musik-Kritiker durch seine Chopin-Interpretationen zu anhaltendem Beifall hin, Gast-Dirigent André Rieu stellte das holländische Sinfonie-Orchester aus Maastricht vor.
Aus Belgien kam das Nationaltheater Brüssel, aus Holland das Stadttheater Limburg, aus Frankreich das Nationaltheater Odeon und für Deutschland spielte Heinz Hilpert mit seinem Göttinger Ensemble eine bisher kaum aufgeführte Urfassung des "Turm" von Hugo von Hofmannsthal, der sich Essen mit Arthur Honeggers Oper "Johanna auf dem Scheiterhaufen" anschloß.
Indes, dem künstlerischen Rausch dieser anspruchsvollen "Monschauer Festspiele 1951" folgte der finanzielle Kater; ein Defizit von über 10 000 DM, unbezahlte Lieferanten-Rechnungen und wiederholte Forderungen der Essener und Aachener Ensembles wegen rückständiger Gagen ließen erste Zweifel an der Berufung des stillen Städtchens Monschau zur Festspiel-Stadt aufkommen.
Um das Publikum in Massen anzuziehen, war Monschau eben doch nicht so günstig gelegen - es ist mit der Bahn nicht zu erreichen.
Am erschreckendsten aber wirkte die Teilnahmslosigkeit der einheimischen Bevölkerung, die eigentlich die Festspiele hätte tragen müssen. Über Land fahrende Omnibusse kamen mit einer Handvoll Insassen aus Richtung Düren und Schleiden an.
Sogar die Monschauer murrten, die Hälfte des Programms sei unverständlich, und außerdem kriegten sie ihre Sommergäste auch ohne Festspiele auf die Ruine. Regengüsse taten das übrige, die Laune der Besucher zu dämpfen, die mit ihren Stühlen in die Turnhalle umziehen mußten, wo zwischen Recks und Barren weitergespielt wurde.
Die Zuschüsse von Bund, Land, Kreis, Stadt und den vereinzelten reichen Textilunternehmer, die Monschaus Industrie in Gang halten, reichten nicht aus, um neben den laufenden Unkosten noch die Sonder-Investitionen für umfangreiche Beleuchtungsanlagen,
Podien und neue Bestuhlung zu decken. Zu alledem hatte sich Hilpert für sein Gastspiel noch einen neuen Turm bauen lassen, der bald unter dem Namen "Schuldturm" bekannt wurde.
Zwar hatte Herbert W. Kranzhoff noch zwei Projekte in petto: ein "Haus des Friedens" mit Festsaal und hundert Betten und ein regensicheres Nylondach über der Schloßtribüne. Doch kam er nicht mehr dazu, sie auszuführen. "Unter dem Druck der Verhältnisse" verließ er Monschau und ging nach Bergisch-Gladbach.
Angesichts der mißlichen Finanzlage schien es dem Kulturring Monschau ratsam, die "Festspiele 1952" besonders rationell zu gestalten. So atmete man erleichtert auf, als sich ein Mann vom Bau auf den verwaisten Stuhl Kranzhoffs im stilvollen Couven-Patrizierhaus setzte: Generalintendant Heinrich K. Strohm schien just zur rechten Zeit zu kommen, um die bisher vernachlässigten Theatererfahrungen in den Bau der Monschauer Festspiele einzufügen.
Als junger Intendant des Aachener Stadttheaters war Strohm am 1. April 1933 zum Generalintendanten an die Hamburgische Staatsoper gerufen worden, wo er sieben Jahre arbeitete. "In Hamburg", schrieb der Generalintendant Strohm später darüber, "wurde mir das Glück zuteil, mit einer besonderen Aufgabe betraut zu werden: die Umwandlung des Stadttheaters ... in eine Staatsoper, deren Rang der alten Tradition des Instituts, der Größe und Bedeutung Hamburgs und dem Kulturwillen des Nationalsozialismus entsprechen sollte."
Am 1. April 1940 schickte Goebbels den Generalintendanten Strohm nach Österreich, um die Wiener Staatsoper im reichsdeutschen Geist zu reorganisieren. In seinem Abschiedsbrief an Hamburg fand Strohm enthusiastische Worte über die "Einmaligkeit der mir in Wien gestellten neuen Aufgabe, eine Aufgabe, wie sie größer und schwerer und bedeutungsvoller einem Theaterleiter meiner Generation kaum gestellt wurde und auch wohl in Zukunft nicht gestellt werden kann".
An der Wiener Staatsoper stieß Strohm jedoch auf größeren Widerstand, als er geglaubt hatte. Ohne seine bedeutungsvolle Aufgabe gelöst zu haben, wurde er nach einem Nervenzusammenbruch von seinem Posten abgelöst.
Den Monschauern wurde nach kurzer Zeit klar, daß der neue Generalintendant die diesjährigen Festspiele auf dem Boden abendländisch-christlicher Kultur ansiedeln wollte. Das Plakat, das er entwerfen ließ, zeigte auf violettem Grund ein goldenes Kreuz. Zur Eröffnung der Festspiele mit "Fidelio" sollten alle Kirchen im Kreis die Glocken läuten. "Vielleicht gelingt es mir sogar, die 'Monschauer Festspiele 1952' durch ein Pontifikalamt weihen zu lassen."
Bei aller Wertschätzung der christlichen Ideen übersah der Kulturring Monschau jedoch nicht, daß Generalintendant Heinrich K. Strohm offensichtlich auch nicht ganz billig war
So reiste er mit dem Spielleiter der Kölner Städtischen Bühnen, Friedrich Siems, nach Brüssel, um das eben uraufgeführte Stück des belgischen Dichters Paul Willems für Monschau zu erwerben. Kölns Dramaturg Carl Werckshagen fahndete indessen in Westdeutschland nach Uraufführungen. Auch in der technischen Organisation plante Strohm großzügig: "Wenn es regnet, lasse ich fünfzig bis sechzig Omnibusse bereitstellen, um Publikum und Ensemble ins Aachener Stadttheater zu fahren."
Den ihm zur Verfügung gestellten Fahrer der Kreisverwaltung Monschau nahm er mit nach Aachen und ließ ihn dort - "Der Mann muß ordentlich aussehen!" - von Kopf bis Fuß neu einkleiden.
Anfänglich schenkten die Monschauer solchen Eskapaden weiter keine Beachtung, sondern hielten Strohm zugute, daß er Künstler sei. Dann aber stimmte sie ein Telefonanruf des Kölner Büroeinrichtungshauses Erich Ortloff, Zeppelinstraße 4, nachdenklich. Dort erschien Generalintendant Heinrich K. Strohm am 9., 10., 13. und 14. Mai, um nach und nach Büromaterial im Werte von 7145,10 DM für Rechnung der Kreisverwaltung Monschau zu bestellen.
Auf den von Strohm unterzeichneten Auftragsquittungen, mit 7½ Prozent Behördenrabatt, waren unter anderem eine Bürodruckmaschine im Werte von 3350 DM vermerkt und eine Adressiermaschine für 2000 DM. Eine Reiseschreibmaschine und eine lederne Aktentasche nahm Strohm für seinen persönlichen Gebrauch gleich mit.
Das Ansinnen auf teilweise Barzahlung wies Strohm, der nach Ortloffs Beschreibung mit dem Auftreten eines Grandseigneurs acht Verkäuferinnen und einen Chauffeur ständig in Atem hielt, nachlässig zurück: "Wie komme ich denn dazu, der Kreisverwaltung Monschau Geld vorzustrecken." Statt dessen erzählte er von Besuchen bei Frau Kultusminister Teusch. beim Erzbischof von Köln und einer bevorstehenden
Privataudienz beim Heiligen Vater in Rom.
Die Ernüchterung kam, als Geschäftsmann Ortloff der Kreisverwaltung Monschau die Aufträge bestätigte. Kreisamtmann Peters, höchst erstaunt, distanzierte sich klar von Generalintendant Strohm, der "keinerlei Aufträge erhalten hat, für Rechnung der Kreisverwaltung irgendwelches Büromaterial zu beschaffen".
Nun war das Erstaunen an Ortloff: "Wenn man aber selbst Briefbogen mit dem Kopf 'Festspiele Monschau 1952' sieht und mehrmals die Parole 'Dem Frieden der Völker' hört, nimmt man doch so was nicht an!" Bis auf einen Fehlbetrag von
33,45 DM hat Ortloff bei Strohm jedoch alles herausgeholt. Insofern ist er besser dran, als die Fordvertretung "Auto - Strunk" auf dem Kölner Hohenzollernring.
Dort bestellte Strohm am 3. Mai, sieben Uhr morgens, einen schwarzen Ford-Taunus 12 M zur Probefahrt. Als Auto-Verkäufer Klotz am Abend des darauffolgenden Tages todmüde wieder in Köln eintraf, hatte er seinen neuen Kunden Strohm 600 km durch die Gegend gefahren. "Unterwegs wollte er plötzlich nach Brüssel. Als ich das ablehnte, fuhren wir nach Monschau, wo er bis in die Nacht mit Leuten verhandelte und sich nebenbei noch auf den Friedhof fahren ließ, um sich zwei Gräber zu bestellen."
Die Liste der Änderungswünsche, die Strohm nach unterschriebenem Kaufvertrag für den Taunus 12 M vorlegte, schien endlos: neue Lederpolsterung, Radio, Klimaanlage, Schiebedach, eine extra konstruierte Schlafbank, blauer Scheinwerfer, Standarte, Dreiklanghörner, zwei Blumenvasen, ein Zigarren-Abschneider Modell Zwillingsmarke Henkel und eine eigens angefertigte Schutzblende mit dem Aufdruck "Leiter der Monschauer Festspiele 1952".
Als jedoch die Zahlungsbedingungen fixiert wurden, ließ sich Heinrich K. Strohm nicht mehr sehen. Der Wagen steht heute noch, zum Abholen bereit, auf dem Hohenzollernring und ist durch die Änderungen um rund 2300 DM teurer geworden.
Daß Strohm auf großem Fuße lebte, ließ sich auch in Monschau nicht lange verheimlichen. Noch andere merkwürdige Dinge wurden bekannt.
So hatte Strohm auf seinem Schreibtisch einen Gummiknüppel liegen. Die Frage, ob das ein Requisit sei, verneinte er: "Den brauche ich für meine Fahrten nach Paris, Kopenhagen und Wien. Man kann nie wissen, was einem passiert." Am nächsten Tage drückte er den Fahrern der Kreisverwaltung "zur Selbstverteidigung" Gummiknüppel in die Hand.
Immerhin hatte Generalintendant Strohm weit über einen Monat für Monschau gewirkt, ehe sich der Kulturring entschloß, ihm am 20. Mai brieflich mitzuteilen, daß er als Leiter der Festspiele leider nicht in Frage komme.
Am 21. Mai stand es als Kurznachricht in den "Aachener Nachrichten": "Generalintendant Heinrich K. Strohm, der mit der Vorbereitung der diesjährigen Monschauer Festspiele beauftragt worden war, wurde vom Kulturring Monschau, dem Träger der Festspiele, einmütig abgelehnt." Strohms unverantwortliches Verhalten "war ausschlaggebend bei dieser Entscheidung". Unbekannt war, wen Strohm auf seinen vielen Reisen für die Festspiele engagiert hatte.
Strohm, der die Meldung unterwegs las, fuhr sofort nach Aachen und diktierte einer Sekretärin zwei Tage eine 35 Seiten lange Entgegnung für die Zeitung. Ohne den
Schriftsatz beendet zu haben, fuhr er nach Paris, von wo er Briefe und Telegramme schickte:
"... nunmehr ist meine im stärksten Maße erwiesene Langmut endgültig zu Ende", schrieb er, "warne Sie hiermit ausdrücklich vor allen Folgen, die schwerwiegend sein werden. Meine sämtlichen für die Festspiele Monschau 1952 verpflichteten Mitarbeiter, die durchweg führende Persönlichkeiten des deutschen Theaters darstellen, werden in zivilrechtlichen Einzelprozessen vor Arbeitsgerichten und in zweiter Instanz vor Landesarbeitsgerichten Klagen einreichen."
Und: "Ich habe einen absolut durchführbaren Spielplan zusammengebracht, wie ihn kein deutsches Theater seit 1945 gehabt hat. Ich habe einen Mitarbeiterstab um mich versammelt, wie ihn in dieser Qualität zur Zeit kein deutsches Theater besitzt."
Inzwischen aber hatte der Kulturring Monschau als neuen Festspielleiter den Detmolder Gast-Regisseur Dr. Walter Storz engagiert.
Daß er hier einiges werde ausbügeln müssen, merkte Storz bereits kurz nach seinem Dienstantritt. Das französische Außenministerium rief in seinem Büro an und verlangte eine genaue Aufstellung des Spielplans. Der Außenminister sei zu den Festspielen eingeladen und in Paris habe man ein französisches Quartett für Monschau verpflichtet.
Dazu Festspiel-Organisator Strohm selbst: "Ich bin einige Tage länger in Paris geblieben; einmal weil die Besprechungen mit der Kultur-Abteilung des französischen Außenamtes über die Beteiligung französischer Künstler an den Monschauer Festspielen erst am Montag zum Abschluß gebracht werden und zum anderen, weil jeder Mensch vor wichtigen Entscheidungen die Stille gebraucht."
Während Dr. Storz - "Ich fand einen Scherbenhaufen vor" - auf dem schmalen Grat zwischen finanziellen Möglichkeiten und künstlerischer Qualität balancierte und Verhandlungen mit den Bühnen Bielefelds und Triers anbahnte, ließ die Stadt Monschau plötzlich durchblicken, sie sei es leid und wolle für die Festspiele keinen Zuschuß mehr bewilligen.
Nur durch persönliches Erscheinen konnte Aachens Regierungspräsident Brand verhindern, daß die Monschauer Festspiele noch im letzten Augenblick abgesagt wurden. Unter den Stadtvertretern war bereits die Meinung laut geworden, die "alten Heimatspiele" seien doch richtiger und vor allen Dingen nicht so risikoreich gewesen.
Indes, die Steigerung
* "Monschau, der kulturelle Schwerpunkt im westdeutschen Grenzgebiet",
* "Monschau, das Salzburg der Eifel",
* "Monschau, die schönste Freilichtbühne Deutschlands",
hat den Monschauern so gut gefallen, daß sie nicht mehr von ihren Festspielen lassen können. Man müsse es nur anders machen, sagen sie.
Vor allem dürfe man nicht "so überspannte Sachen" spielen. Kreisamtmann Peters, der bisher mit der organisa orischen Durchführung der Festspiele betraut war, faßt die kulturellen Bedürfnisse des Monschauer Festspielbesuchers so zusammen: "Er will nicht weinen, er will sich entspannen!".
Er habe beispielsweise im vorigen Sommer eine Tanzschau "Tausendundeine Nacht" auf einer schwimmenden Bühne im Rhein bei Koblenz gesehen. "Das war wunderbar!" Die Kostüme seien prächtig, wenn auch - vorwiegend bei den Damen - sparsam gewesen. Hin und wieder sei auch mal jemand ins Wasser gesprungen.
Wenn es nach dem hiervon sehr beeindruckten Kreisamtmann ginge, der noch zweimal zu den Wasserspielen nach Koblenz fuhr, würde auch in Monschau die leichtere Muse mehr Beachtung finden. "Ich glaube aber, daß sich dieses Jahr auch der Eifelbauer mit einer gewissen Sucht die Festspiele ansieht", sagte Peters. Dr. Storz läßt nämlich auf der Burg die "Räuber" inszenieren. Kreisamtmann Peters: "Das paßt gut hin und ist billig in der Dekoration."
Was aus den Forderungen der Strohm-Ära wird, in der sich die Festspielwut des Eifelfleckens selbst ad absurdum führte, wissen die Monschauer noch nicht. Der Kulturring bleibt jedenfalls hartnäckig bei seiner Behauptung, er habe Strohm nie fest engagiert, sondern nur unverbindlich zur Aufstellung eines Spielplans herangezogen.
Die entscheidende Verhandlung habe man im übrigen auf einem Magnetophonband festgehalten.
Mit einem Seitenblick auf die von dem organisierwütigen Strohm bereits engagierten Künstler sagt Kreisamtmann Peters, sie täten der Kunst keinen Dienst, wenn sie mit überspitzten Forderungen kämen. "Wir (das ist der Kulturring und die Behörden) sind Idealisten und haben mit den Festspielen viel Geduld gehabt. Aber wenn man uns jedoch noch weiter ärgert, könnten wir eines Tages den ganzen Kram hinschmeißen.
"Und damit würden viele Künstler um eine Verdienstmöglichkeit gebracht."

DER SPIEGEL 29/1952
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