15.04.2002

GESTORBENMartin Sperr

Martin Sperr , 57. Er kam wie ein Komet aus dem Dunkel, also aus dem Niederbayerischen, und schlug auf dem Theater ein: Mit "Jagdszenen aus Niederbayern", einer bissigen Blut- und Loden-Tragödie auf dem Dorfe, wurde Sperr, gerade mal 21 Jahre alt, im Sommer 1966 zum Aufrührer eines realistischen Dialekt-Theaters, das die Post-Adenauer-Idylle verstörte. Der Lehrersohn Sperr, Internatszögling bei den Barmherzigen Brüdern, Schauspieler und nebenberuflicher Nachtportier, zeigte den Menschen als Jagd- und Fluchttier, verlogen, bigott, korrupt; später auch in der Kleinstadt ("Landshuter Erzählungen", 1967), anschließend in der Metropole ("Münchner Freiheit", 1971). 1972 erlosch der Komet, eine Gehirnblutung warf Sperr nieder, von der er sich nie völlig erholte. Astrologie und Fresssucht fesselten ihn nun, als Schauspieler und Klein-Texter musste er sich mühsam durchs Leben schlagen. Martin Sperr starb am 6. April in Landshut.

DER SPIEGEL 16/2002
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