10.06.2002

GELDANLAGEZwei Millionen „schlafende Konten“

Nach dem Debakel auf den Weltfinanzmärkten erlebt das gute alte Sparbuch eine Image-Renaissance. Doch auch Sparbücher bergen das Risiko des Totalverlustes. Viele Kunden vergessen schlicht, dass sie irgendwann einmal ein Sparbuch eröffnet haben. Andere wissen nicht, dass ihre Eltern, Großeltern oder Taufpaten bei ihrer Geburt ein Sparkonto für sie eröffnet haben. Gerade bei Scheidungskindern sei das ein Problem, berichten Banker. Von den bis zu 200 Millionen Sparbüchern in der Republik sind mindestens ein Prozent, also etwa zwei Millionen, so genannte Schlafkonten, bei denen es seit Jahrzehnten keine Kontobewegungen mehr gab. Doch nach 30 Jahren fällt das Geld an die Bank. So schrieb die Dresdner Bank im April einem Kunden aus Karlsruhe, der ein altes Sparbuch auflösen wollte: "Wie Sie sicherlich wissen, ist die gesetzliche Aufbewahrungsfrist 30 Jahre. Leider können wir deshalb keine Daten Ihrer verstorbenen Ehefrau recherchieren." Ein anderer Kunde unterlag vor Gericht, als er nach 31 Jahren sein Sparbuch bei der Raiffeisenbank Elchesheim-Illingen auflösen wollte. Die Auszahlungspflicht der Bank war erloschen. Nachfragen bei der Bank über eventuelle Konten können sich also lohnen. "Schließlich haben die Banken keinerlei Verpflichtung, ihre Kunden von sich aus auf eventuelle Guthaben hinzuweisen", so Sabine Lautenschläger von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

DER SPIEGEL 24/2002
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