10.06.2002

TV-Vorschau

Kafka geht ins Kino Samstag, 23.50 Uhr, Arte
Auch Kafka ging ins Kino. Wie Zeitgenosse James Joyce, wie viele Intellektuelle seiner Generation war er besessen vom Kintopp. Andere betrachteten das Kino - wie das Buch, das Radio, das Fernsehen, wie eben jedes neue Medium - als Gefährdung des gemeinen Volks. Doch eben da machte Kafka nicht mit: Er liebte das Kino so sehr, dass er die Leinwandgestalten in seine Tagträume aufnahm und in seinem Werk zu neuem Leben erweckte. Der Schauspieler und Autor Hanns Zischler, 54, hat aus Kafkas Kino einen Film gemacht - mit Zitaten aus dem, was der Schriftsteller im Dunkeln sah (so einen Werbefilm für die Einwanderung nach Palästina), und mit einer kinematografischen Spurensuche in seinem Werk. "Kafka geht ins Kino" ist nicht nur eine Dokumentation lang verschollener Materialien, sondern auch ein staunenswert schöner Filmessay, der Kafkas nachtwandlerischen Abenteuern Gestalt und Stimme gibt. Der Film hat in seiner französischen Fassung am Dienstag dieser Woche im Pariser Centre Pompidou Premiere - seltene Ehre für einen deutschen Filmemacher.
Tatort: Schlaf, Kindlein, schlaf Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Es ist Sommer in Köln, und die beiden "Tatort"-Kommissare Max Ballauf (Klaus Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) leiden nicht nur unter der Hitze, sondern auch unter Erfolgsdruck: Die Presse kritisiert mangelnde Fahndungserfolge der Kripo. Der Polizeipräsident erlaubt daher einer reichlich präpotenten Journalistin (Catherine Flemming), Ballauf und Schenk beim Lösen ihres neuen Falls begleiten zu dürfen. Ein Au-pair-Mädchen wurde getötet, am Fundort weist manches auf einen Ritualmord hin - und es ist ausgerechnet die Journalistin, die, noch bevor die Kommissare auch nur eine Spur haben, den richtigen Verdacht zu äußern scheint. Weitere Recherchen führen ins Psychologenmilieu, so dass sich die eher ruppig veranlagten Kommissare mit Zwangshandlungen und Phobien, Essstörungen und Traumata befassen müssen und dabei erstaunlich sensible Seiten offenbaren. Ein routiniert vielschichtiger "Tatort" (Regie: Peter Fratzscher, Buch: Jan Hinter, Stefan Cantz), der von der Fähigkeit des Duos profitiert, sich auf muntere Weise dem Ernst des Lebens zu stellen.

DER SPIEGEL 24/2002
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