10.06.2002

KRIMINALITÄTViel Gefängnis hilft nur wenig

Ein Vierteljahrhundert glaubten Jurymitglieder und Richter in den Vereinigten Staaten, dass härtere Strafen für Kriminelle ihr Land in einen sichereren Ort verwandeln würden. Vor 25 Jahren saßen rund 500 000 Amerikaner im Gefängnis, heute sind es fast zwei Millionen. Eine neue Studie des US-Justizministeriums zeigt nun, dass die Aussicht auf häufigere und längere Haftstrafen Kriminelle nicht von weiteren Straftaten abschreckt. Die Autoren Patrick Langan und David Levin untersuchten die kriminellen Karrieren von 272 111 früheren Gefängnisinsassen in 15 US-Bundesstaaten - die umfangreichste Studie seit zehn Jahren. Demnach stieg der Anteil der rückfälligen Straftäter zwischen 1983 und 1994 um fünf Prozent. In diesen elf Jahren ging die amerikanische Justiz besonders hart gegen Straftäter vor, die Zahl der Insassen in den Haftanstalten verdoppelte sich. Joan Petersilia, Professorin für Kriminologie an der Universität von Kalifornien, glaubt, dass die Rückfallquote gestiegen ist, weil die Rehabilitationsprogramme in vielen US-Bundesstaaten zusammengestrichen worden seien. Nur 15 Prozent der Häftlinge nehmen noch an Weiterbildungs- und Rehabilitationsmaßnahmen teil.

DER SPIEGEL 24/2002
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KRIMINALITÄT:
Viel Gefängnis hilft nur wenig