10.06.2002

GESTORBENLew Wasserman

Lew Wasserman, 89. Seine Vita liest sich wie eine dieser sprichwörtlichen Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichten. Der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer jobbte als Platzanweiser und Süßigkeitenverkäufer im Theater, managte einen Nachtclub und wurde 1936 Mitarbeiter der Music Corporation of America (MCA, die späteren Universal Studios), 1939 Vice President der Filmsektion, 1946 oberster Boss. Die Methoden Wassermans, dem Umgang mit der Mafia nachgesagt wurde - ein Eindruck, den er nie dementierte, sondern eher pflegte -, revolutionierten die Filmbranche. Er hatte eine untrügliche Nase für Talente, schloss Exklusivverträge mit Stars, er war der Erste, der Schauspielern Gewinnanteile statt Knebelverträge bot. Jemand, der einen guten Film machen wollte, kam um Wasserman nicht herum. Der "letzte Hollywood-Mogul" war der Schöpfer des Prototyps heutiger Unterhaltungskonzerne. Und er war derjenige, auf den die enge Verflechtung Hollywoods mit der Politik zurückzuführen ist: Als bekennender Demokrat betätigte er sich als Geldbeschaffer für die Partei, etwas diskreter auch für die Republikaner - für alle Fälle. Er galt als cooler, knallharter Geschäftsmann, einer, der andere am Telefon zum Zittern bringen konnte. Lew Wasserman starb am 3. Juni in Beverly Hills an den Folgen eines Schlaganfalls.

DER SPIEGEL 24/2002
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