15.07.2002

KONZERNEPoker um Vivendi

Zwei Wochen nach dem erzwungenen Abgang von Vivendi-Universal-Chef Jean-Marie Messier zeichnen sich Szenarien für die Zerlegung des hoch verschuldeten Medienkonzerns ab. So gilt Edgar Bronfman Jr. in Unternehmenskreisen als aussichtsreicher Kandidat für die Übernahme der Musiksparte Universal - Bronfmans Familie hatte Seagram Universal erst vor zwei Jahren an Messier verkauft und ist mit rund sechs Prozent zurzeit größter Vivendi-Aktionär. Sollte Bronfman das Musikgeschäft zurückerwerben, würde er im Gegenzug wohl seine Beteiligung an Vivendi abgeben, heißt es. Die Film- und Fernsehaktivitäten des französischen Konzerns könnte der frühere Paramount-Studio-Boss Barry Diller übernehmen. Auch Diller hatte die TV-Sparte erst vor gut einem halben Jahr für 10,3 Milliarden Dollar an Messier abgegeben. Nach einem anderen, von hochrangigen Vivendi-Managern kolportierten Modell könnten auch die Hollywood-Studios MGM oder Dreamworks den Entertainment-Teil der Franzosen übernehmen - vor allem die Dreamworks-Gründer um Steven Spielberg verfügen über langjährige Kontakte zu Universal. Vivendi ist mit 34 Milliarden Euro verschuldet und hat im vergangenen Jahr 13,6 Milliarden Euro Verluste angehäuft. Allein mit dem Verkauf der Musiksparte wären nach Branchenschätzung etwa 14 Milliarden Euro zu erzielen. Das Studio und die Themenparks wären rund 6 Milliarden, der TV-Bereich ungefähr 3,5 Milliarden Euro wert.

DER SPIEGEL 29/2002
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