15.07.2002

KARTOGRAFIEOh, wie lang ist Afrika!

Seit Jahrhunderten kämpfen Weltkartenzeichner bei der Darstellung der Kontinente mit einer unlösbaren Aufgabe. Denn die Erde ist eine Kugel, Papier dagegen flach. Deswegen leidet jede Ansicht der Erdoberfläche unter perspektivischer Verzerrung - fragt sich nur, unter welcher. Auf herkömmlichen Karten erscheinen die USA, Europa und Russland, gemessen an ihrer wahren Größe, gewaltig aufgebläht. Um den Äquator drängeln sich, mächtig zusammengestaucht, Afrika, Südasien und Lateinamerika. Atlanten geraten so zum Abbild des machtpolitischen Nord-Süd-Gefälles. Nun aber erscheint ein flächentreues Kartenwerk ("Peters Atlas", Zweitausendeins; 20 Euro) nach einer Projektionsweise, die der Historiker Arno Peters in den siebziger Jahren entwickelt hat. Peters rückt ab von der eurozentrischen Sicht der Welt und zeigt "alle Länder und Kontinente in ihrer wirklichen Größe", so der Untertitel. "Sprechende Erdkarten" bereichern das politisch korrekte Weltbild durch Angaben über Prostitution, Kinderarbeit oder Kalorienverbrauch. Doch auch die Peters-Projektion krankt am Problem von Kugel und Ebene: Die "ehrliche Karte" opfert der Flächentreue die Form der Erdteile. Nun dehnt sich Afrika in bizarrer Länge. Aber die Größe stimmt.

DER SPIEGEL 29/2002
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