18.08.1980

Rorschach-Test für Baubetrachter

"Über bizarre Architektur läßt sich kaum theoretisieren", meint Charles Jencks, amerikanischer Professor für Geschichte der Gegenwartsarchitektur, in der Einführung seines Bilderbuchs über unkonventionelle Bauten von 1900 bis zur Gegenwart, das jetzt in deutscher Sprache erschien ("Bizarre Architektur". Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 80 Seiten; 29,80 Mark). Beim ersten Anblick müßte bizarre Architektur, so Jencks' Kriterium für die Auswahl, "wie ein Rorschach-Test" wirken, eine Vielzahl unterschiedlicher Assoziationen hervorrufen können. Die Planer solcher Bauten wollen nach Ansicht des Professors "etwas Unmögliches": Einerseits wünschen sie, daß ihr Werk "außergewöhnlich bleibt", zugleich aber als "bedeutender Beitrag zur Architekturgeschichte" gewürdigt und nachgeahmt werde. Zu den verschiedenen Spielarten bizarrer Architektur, von denen Jencks 64 ausgewählt hat, zählen aber nicht nur so groteske Gebilde wie das Liebeshotel "Megaro Emperor" in Tokio oder das Einfamilienhaus "Ameisenbär" im US-Staat Mississippi; Jencks rechnet dazu auch das Centre Pompidou in Paris oder das Opernhaus in Sydney und kommt zu dem Schluß, "daß bizarre Architektur auch gute Architektur sein kann".

DER SPIEGEL 34/1980
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