18.08.1980

GESTORBENWilli Forst

Willi Forst, 77. Er hatte sich geweigert, in Veit Harlans "Jud Süß" die Titelrolle zu spielen, und auch Goebbels wollte den "Operetten-Fatzke" in dem NS-Propagandafilm nicht sehen. Der 1903 als Sohn eines Porzellanmalers in Wien geborene Schauspieler, Regisseur und Produzent verkörperte auch mehr den Typ des Bonvivant. Nach Theaterengagements in Wien und Berlin begann seine Filmkarriere 1929 in "Atlantik", dem ersten deutschen Tonfilm. Drei Jahre später inszenierte er die Schubert-Biographie "Leise flehen meine Lieder". Der Erfolg etablierte ihn auch als Regisseur. Mit seinen eleganten Lustspielen wie "Mazurka" (mit Pola Negri), "Wiener Blut" und vor allem seinem Meisterwerk "Maskerade", in dem Paula Wessely debütierte, bewegte er sich immer über dem Niveau des deutschen Unterhaltungsfilms im Dritten Reich. In seiner Maupassant-Verfilmung "Bel ami" (1939, Photos, r. mit Ilse Werner) spielte und sang er als Herzensbrecher die Rolle seines Lebens. 1951 erregte er mit der "Sünderin", in dem Hildegard Knef nackt zu sehen war, einen Skandal. 1957 zog sich Forst vom Film zurück. Am letzten Montag starb er in Wien.

DER SPIEGEL 34/1980
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