18.08.1980

RÜCKSPIEGELZitate

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Der Bonner SPD-nahe "Parlamentarisch-Politische Pressedienst":
Über die Hintergründe der Bremer Gewaltdemonstration und die Ermittlungen des Bundestags-Untersuchungsausschusses war im SPIEGEL zu lesen: ",Der Militärische Abschirmdienst (MAD) war immer dabei. Und er schirmte nicht nur ab, er wiegelte auch auf. Der MAD-Zuträger forderte in den Jugendzirkeln Gewaltaktionen gegen das Bundeswehr-Spektakel." Diese Behauptung ist von MAD und Verfassungsschutz vor dem Untersuchungsausschuß dementiert worden. Und das darf niemanden überraschen.
Genauso kann man auch Ärzte fragen, ob ihnen schon einmal ein "Kunstfehler" unterlaufen sei. Oder man frage Beamte, ob sie bestechlich sind. Oder erkundige sich bei Unternehmern, ob sie Steuern hinterziehen. Jedenfalls wird die Version des SPIEGEL nicht schon dadurch falsch, daß die "Dienste" sie dementieren. Auch als das Magazin den Lauschangriff gegen den Physiker Traube publik machte, haben die "Dienste" nicht schuldbewußt mit den Zähnen geknirscht und "mea culpa" gesagt, sondern sind zur Vernebelungstaktik und wütenden Gegenattakken übergegangen.
Das Düsseldorfer "Handelsblatt":
Wovon wir Deutschen wirklich träumen, hat unlängst der SPIEGEL enthüllt. Seitdem wissen wir, daß "frustrierte Werktätige" fasziniert sind von der Idee: "Weniger arbeiten - besser leben." Auch der Wunsch, ganz aus dem herkömmlichen Arbeitsleben auszusteigen, sei zu einem populären Gedankenspiel geworden. Die Aussteiger sind "in", auf den Schickeria-Partys ebenso wie in den Feuilleton-Redaktionen, wo die Lobpreisung der Lebenskünstler aus den Landkommunen nimmer enden will. Im Reservat homo sapiens, vor den Toren Hamburgs, hat der SPIEGEL ein solches Vorbild der Nicht-Leistungsgesellschaft, den Aussteiger Johannes, aufgetan . .. Uns Spießern, die wir, statt das Glück der Idylle im Grünen zu genießen und vom Segen biologisch gedüngter Erde zu leben, der Leistungsgesellschaft noch nicht Lebewohl gesagt haben, brav Steuern und Abgaben zahlen, bleibt nur die Freude auf ein Wiedersehen mit Johannes. Eines Tages . . . wird Johannes, altersgebeugt, gicht- und rheumageplagt, wieder bei uns einsteigen. Der Regelsatz der Sozialhilfe ist ihm ebenso sicher wie ein Platz im Alten- oder Pflegeheim. Das Schöne am Aussteigen ist eben die Rückfahrkarte, die die anderen bezahlen.

DER SPIEGEL 34/1980
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DER SPIEGEL 34/1980
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