14.10.2002

ALBANIENStreit um deutsche Pässe

Ungewohnt heftiger Kritik sieht sich die Bundesdruckerei in Berlin ausgesetzt. Die albanische Regierung, die dem Unternehmen im vergangenen Jahr einen Zehn-Millionen-Dollar-Auftrag über den Druck von zwei Millionen fälschungssicheren Reisepässen erteilte, reklamierte lautstark Pfusch. Farbe und Papierdicke der Pässe entsprächen nicht den vertraglichen Vereinbarungen, wetterten albanische Staatsbeamte, nachdem die ersten Exemplare in Tirana eingetroffen waren. Zudem reichten die Sicherheitscodes nicht aus. Die Bundesdruckerei, die bereits Briefmarken für Moldawien sowie Steuerzeichen für Uganda fertigte und auf ihrer InternetSeite "Spitzenqualität fürs Ausland" anpreist, will von alldem nichts wissen: Die Dokumente seien nach EU-Standard gefertigt und genau so geliefert worden, wie mit der albanischen Seite vereinbart, versichert die Geschäftsführerin der Vertriebsgesellschaft für die Bundesdruckerei, Gerlind Köchel. Doch es gibt ein weiteres Problem: Der Pass-Deal gerät in Albanien zunehmend zum innenpolitischen Skandal. Wichtige Unterlagen sind plötzlich nicht mehr zu finden. Auch die Staatsanwaltschaft hat sich inzwischen eingeschaltet: Der stellvertretende Innenminister Bujar Himçi, der den Kontrakt mit den Berlinern mit unterzeichnet hatte, wurde ebenso wie zwei hohe Beamte seines Ministeriums verhaftet. Nun geht es - wie so oft im Balkanland - um Amtsmissbrauch und Korruption. Die drei Verhafteten werden beschuldigt, die Deutschen bei der Ausschreibung bevorzugt zu haben. Durch Unregelmäßigkeiten im Vertrag und die dadurch entstandenen Mehrkosten, so der Vorwurf, sei dem ohnehin darbenden albanischen Staat ein Schaden in Höhe von etwa 2,5 Millionen Dollar entstanden.

DER SPIEGEL 42/2002
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