21.10.2002

GESTORBENWerner Eberlein

Werner Eberlein , 82. Der Berliner Revolutionär gehörte zum kommunistischen Uradel. Sein Vater Hugo hatte gemeinsam mit Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg die KPD gegründet und 1919 in Moskau, als Lenins Genosse, die Kommunistische Internationale. 1934 emigrierte Werner Eberlein nach Moskau; Lenins Witwe nahm ihn freundlich auf. Dann wendete sich das Blatt. Stalins Geheimpolizisten ermordeten 1941 seinen Vater als "Verräter", er selbst wurde bis 1948 nach Sibirien verbannt. Kommunist blieb er, auch als er vom Mord an seinem Vater erfuhr und die Degeneration des Sozialismus in der DDR hautnah miterlebte. 1986 rief Erich Honecker den 66jährigen Parteiveteranen Eberlein in sein Politbüro, "zwecks Verjüngung", wie der selbstironische Funktionär spottete. Auch nach dem Untergang der DDR blieb der beliebte, stets milde gestimmte Melancholiker seines Vaters Visionen treu und deshalb in der PDS, was den anderen SED-Politbüromitgliedern verwehrt wurde. Werner Eberlein starb am 11. Oktober beim Rasenmähen an einem Herzinfarkt.

DER SPIEGEL 43/2002
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