28.10.2002

SCHAUSPIELERCorinth lässt grüßen

Dass der Schauspieler malt, war bekannt, dass er es so gut kann und auf weit über 1000 Werke zurückblickt, davon wusste nur ein kleiner Zirkel. Armin Mueller-Stahl, 71, hat 50 Jahre lang Gesichter, Figuren, Gesten und Stimmungen in Tusche, Acryl oder Öl festgehalten, stilistisch schwankend zwischen lyrischer Abstraktion und psychologischem Realismus, auch Horst Janssen und Lovis Corinth lassen grüßen - farbig kraftvoll bis subtil, aber stets dominiert vom energischen Gestus des Zeichners, der mit Vorliebe bekannte Zeitgenossen porträtiert. Die wichtigsten dieser Arbeiten sind erstmals dokumentiert in Volker Skierkas neuem Buch "Armin Mueller-Stahl - Begegnungen" (Knesebeck Verlag, München, 39,90 Euro). Der Hamburger Journalist ergänzt die auch fotografisch üppig bestückte "Biografie in Bildern" durch einen Text, der den Werdegang des Schauspielers Mueller-Stahl nachzeichnet, bis hin zu seiner denkwürdigen Rolle in dem TV-Dreiteiler "Die Manns" (2001). 1980 verließ Mueller-Stahl, der zuvor ein befristetes Ausreisevisum bekommen hatte, die DDR - das Buch belegt erstmals auch mit Originaldokumenten seine Differenzen mit DDR-Autoren wie Jurek Becker und Thomas Brasch. Laut Protokoll ("Operativ-Vorgang Violine") soll Brasch 1977 der Stasi gesagt haben, er sehe keinen Grund, weshalb Mueller-Stahl "unbedingt" in der DDR gehalten werde, denn er sei "doch nicht viel wert". Wenn er ginge, hätte die DDR "einen Feind weniger". Mueller-Stahl hat dieses Zitat aus den ihn betreffenden Stasi-Akten herausgeschrieben und ein Brasch-Konterfei hinzugezeichnet - eine vieldeutige Replik.

DER SPIEGEL 44/2002
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