11.03.1953

Neu in Deutschland

DIE EHRBARE DIRNE (Frankreich). Die Filmfassung von Jean Paul Sartres philosophisch unbelastetem Bühnenstück über die schon Seltenheitswert gewinnende Lynchjustiz und den Rassenhaß in den US-Südstaaten mit pathetischen Vergröberungen und penetranten Typisierungen. Der Film hat trotzdem die Vorzüge eines Reißers, und in einigen gelungenen Milieubildern mit knappen, schnoddrigen Dialogen hebt sich die Dirne (Barbara Laage) attraktiv aus dem Schwarz-Weiß-Mosaik heraus. (Production Agiman/Artès Films.)
BALARRASA (Spanien). Für deutsche Zuschauer frappierende Harmonie zwischen katholischer Kirche und Franco-Faschismus: Ein ruhmreicher nationalspanischer Hauptmann meldet sich nach dem Bürgerkrieg zum Priesterseminar. Ehe er die Weihen empfängt, haut er mit immer noch kräftiger Faust in den mondänen, verderbten, teilweise sogar verbrecherischen Alltag seiner einst formmen und ordentlichen Familie. Kriminalkolportage, gutmütiger Humor und religiöses Pathos in sehr getragener, aber ordentlicher Technik. (Aspa-Film.)
DER BAUERNREBELL (Österreich). Ein trachtiger und bärtiger Streifen aus der Ära Andreas Hofers, in der die Tiroler gar nicht lustig sind, sondern mit Heugabeln, musealen Schießeisen und Morgensternen die photogenen heimatlichen Kulissen verteidigen. Im Vordergrund die erbarmenswert überdehnte Story eines braven Tiroler Buam (Kurt Heintel), der seine Zuchthausvergangenheit und die geliebte Frau des Bruders (Marianne Schönauer) nicht vergessen kann, bis er seine sentimentale tiroler Existenz mit freiwilligem Opfertod unter Osterglockengeläute sinnvoll beendet. (Listo-Lehner.)
AUF MESSERS SCHNEIDE (USA). Ein Amerikaner der "verlorenen Generation" (Tyrone Power) verzichtet auf die verwöhnte Verlobte (Gene Tierney) und ein Babbitt-Leben, um erst im Pariser Quartier Latin und dann in Indien "die Antwort auf die entscheidenden Fragen nach dem Sinn des Lebens" zu suchen. Die Filmversion von Somerset Maughams Erzählung "vom Geist und Ungeist der materialistischen Gesellschaft" gewinnt trotz zwölfmaliger Drehbuchänderungen nicht die spannende Hintergründigkeit des Buches, und trotz der sich über sieben Jahre erstreckenden Handlung ist an der Hauptfigur keine innere Entwicklung zu erkennen. Die schauspielerischen Qualitäten des Star-Kollektivs machen die wuchernden Dialoge und das Society-Milieu erträglich. Gute Charakterstudien, von denen eine (Anne Baxter) zu Recht mit dem "Oscar" belohnt wurde. (20th Century Fox.)
ANNA SUSANNA (Ostdeutschland). Halb Seemannsabenteuer alter Ufa-Schule (mit Schifferklavier, aber schon ohne Hafenmädchen), halb ein mit Streik- und Schulungsreden ausgewalztes und sorgsam entmenschlichtes Ibsen-Motiv ("Stützen der Gesellschaft"): ein Hamburger Reeder läßt der Versicherungssumme zuliebe sein eigenes, halbwrackes, aber dafür vollbemanntes Schiff auf hoher See versenken. Daß sein zwölfjähriger Sohn heimlich an Bord gekrochen ist, "wird jedem Verdacht die Spitze abbrechen" und rührt den massenmordenden Vater nicht weiter. Drehzeit, dank vieler nachträglicher Ideologie-Zufuhren: eineinhalb Jahre. (Defa.)

DER SPIEGEL 11/1953
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