30.12.2002

FUSSBALL-WMZu schön gespielt

Die Gesundung des scheinbar invaliden deutschen Fußballs begann mit einer Fehldiagnose: Unter Meutereiverdacht startete die Nationalelf ihr Unternehmen Fernost. Dass die Mannschaft ihrem Teamchef Rudi Völler "die Gefolgschaft verweigert", hatte Chef-Deuter Günter Netzer nach einem der letzten Testspiele vor der Weltmeisterschaft geargwöhnt - eine überzogene Manöverkritik, die bald ihre wohltätige Wirkung entfalten sollte. Denn genau aus dieser Prognose speiste sich das Wir-Gefühl des Teams. Mit steten Hinweisen auf die defätistische Außenwelt hielt Völler das Binnenklima intakt. Die Elf rumpelte durch die WM, aber sie rumpelte mit Teamgeist. Bis ausgerechnet eine Befehlsverweigerung - als ob es Netzer geahnt hätte - sie vor dem Ziel aus dem Tritt brachte. Sie sollten bloß nicht mit den kunstfertigen Brasilianern mitspielen wollen, warnte Völler die Seinen vor dem Finale. Exakt dieser Versuchung erlagen die eher rustikalen Deutschen auf naive Art. Sie spielten plötzlich schön - aber leider erfolglos.

DER SPIEGEL 1/2003
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