30.12.2002

MUSIKER„Mein Trumpf ist die Stimme“

Senait Mehari, 26, aus Eritrea stammende Sängerin und Schauspielerin, über ihre Chancen beim deutschen Vorentscheid des Grand-Prix-Eurovision-Schlagerwettbewerbs Anfang März
SPIEGEL: Frau Mehari, weiß man in Eritrea, was der Grand Prix Eurovision ist?
Mehari: Nein. Die meisten Afrikaner wissen nicht viel über das Leben der Europäer - und umgekehrt.
SPIEGEL: Sie sind vor 16 Jahren aus Afrika nach Hamburg gekommen. Wie würden Sie den Menschen in Ihrer alten Heimat den Schlagerwettbewerb erklären?
Mehari: Dass es dabei zugeht wie bei einem internationalen Fußballturnier - man muss hart trainieren, und am Ende gewinnt der Beste.
SPIEGEL: Beim Kampf um die Schlagerkrone werden Sie von der kleinen Tageszeitung "taz" unterstützt - gegen den Kanzlerimitator Elmar Brandt, der die "Bild"-Zeitung im Rücken hat. Wie groß, glauben Sie, sind Ihre Chancen gegen diese Medienmacht?
Mehari: Mein Trumpf ist meine Stimme. Ich habe einen guten Song, ich kann sehr gut singen und das auch auf der Bühne rüberbringen. Im Übrigen soll jeder tun, was er möchte. Was Elmar Brandt macht, muss gut sein, sonst würden ja nicht so viele Leute seine CDs kaufen. Der Rest ist Geschmackssache.
SPIEGEL: Ist nicht der Medienwirbel wichtiger als die Musik?
Mehari: Nein, denken Sie an Abba oder Nicole - die haben anspruchsvolle Songs gemacht. An diese Tradition möchte ich anknüpfen.
SPIEGEL: 1999 wurde Deutschland beim Grand-Prix-Finale in Israel von der deutsch-türkischen Gruppe Sürpriz vertreten und schaffte immerhin Platz 3; die Kandidatin Corinna May aus Bremen belegte 2002 dagegen nur Rang 21. Sind Immigranten die besseren Grand-Prix-Künstler?
Mehari: Nein. Ich fühle mich längst als Deutsche. Deshalb möchte ich Deutschland vertreten, und ich glaube, dass ich das kann. Ich kenne das Land, und ich kenne die Sprache. Es würde bestimmt komisch wirken, wenn ich für Deutschland antreten und auf der Bühne ein afrikanisches Lied singen würde.

DER SPIEGEL 1/2003
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