06.01.2003

FDP„Strategie 18 fortführen“

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, 50, über ein Comeback von Jürgen Möllemann
SPIEGEL: Teilen Sie die Analyse von FDP-Vize Walter Döring, nach der die Lage der FDP dramatischer ist, "als manche in der Parteiführung glauben"?
Kubicki: Ich teile sie insoweit, als nicht klar ist, wie die strategische Ausrichtung der FDP sein soll. Es gibt einen Kampf um die Frage, ob die Partei sich öffnen soll, wie es die Strategie 18 vorgesehen hat, oder ob sie zurückkehren soll zu dem, was Bundestagsfraktionschef Wolfgang Gerhardt als die klassische Rolle der FDP definiert. Damit würde sie nichts anderes als Mehrheitsbeschafferin der Union.
SPIEGEL: Sie sind für die Fortführung des Projekts 18?
Kubicki: Ich bin für die Fortführung der Strategie 18. Die Liberalen dürfen sich nicht kleiner machen, als sie sind. Ich unterstütze in dieser Frage Guido Westerwelle, auch wenn er leider zu viel Rücksicht auf die Parteifreunde in Baden-Württemberg und Hessen nimmt. Er darf sich nicht ständig von Leuten beeinflussen lassen, die die FDP bei fünf Prozent an der Seite der Union sehen wollen.
SPIEGEL: Döring sagt, die FDP laufe Gefahr, "inhaltlich nicht mehr wahrgenommen zu werden".
Kubicki: Ich wundere mich, dass der stellvertretende Bundesvorsitzende jedes Jahr pünktlich zum Dreikönigstreffen erklärt, die FDP werde kaum wahrgenommen. Es ist doch seine Aufgabe, sie wahrnehmbar zu machen.
SPIEGEL: Fraktionschef Gerhardt sagt, "die Figur Möllemann überdeckt nach wie vor die Inhalte der FDP".
Kubicki: Das ist richtig, denn Möllemann stand jahrelang für Inhalte - im Gegensatz zu Wolfgang Gerhardt. Von dem höre ich immer nur, dass sich die FDP durch Inhalte definieren soll. Wenn er sagt, die außenpolitische Kompetenz der FDP sei ins Wanken geraten, kann nur er ins Wanken geraten sein, denn er ist für die Außenpolitik zuständig.
SPIEGEL: Fehlt Möllemann der Partei bereits?
Kubicki: Das ist doch offenkundig. Sonst müsste Herr Döring nicht so dramatisch nach mehr Wahrnehmbarkeit rufen. Ich rechne mit Möllemanns Comeback - und zwar in der FDP.

DER SPIEGEL 2/2003
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