13.01.2003

13. Januar 2003 Betr.: Uelzen

Seit den siebziger Jahren existiert im niedersächsischen Uelzen eine Schweigegemeinschaft aus Hunderten von Schülern, Männern und Familienvätern. Sie alle wurden als Jugendliche von dem Lehrer Wolfgang Stulpe, Ausstellungsleiter des örtlichen Kunstvereins, nackt fotografiert, gefilmt und zum Teil missbraucht. Warum Stulpes Doppelleben jahrzehntelang unentdeckt blieb, erfuhr SPIEGEL-Redakteur Hauke Goos, 36, als er die Stadt ein paar Mal besuchte und die verdruckste Toleranz ihrer Bürger kennen lernte: "Kaum einer hat es gewusst, viele haben es geahnt, keiner hat etwas unternommen", sagt Goos, "und jeder konnte seine Zurückhaltung begründen." Wer alles zu den Opfern gehört, ist auf unzähligen Dias, Fotos und Filmkassetten zu sehen, die bei der Kriminalpolizei lagern. Weil die Ermittlungen inzwischen, nach dem Selbstmord Stulpes, eingestellt worden sind, soll das Material irgendwann verbrannt werden. "Den Seufzer der Erleichterung", glaubt Goos, "wird man an diesem Tag wahrscheinlich in der ganzen Stadt hören können" (Seite 58).

DER SPIEGEL 3/2003
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