13.01.2003

Klüger werden mit:Karl Kruszelnicki

Der 54-jährige Physiker an der Universität von Sydney über sein wissenschaftliches Comedy-Programm
SPIEGEL: Tagsüber lehren Sie an der Uni Physik, abends ziehen Sie als Komiker durchs Land. Ist Ihr Job so langweilig?
Kruszelnicki: Ich liebe meine Arbeit. Aber laut einer Studie fanden 90 Prozent der Menschen ihren Physikunterricht in der Schule schrecklich langweilig. Ich gehörte auch zu denen. Als ich selbst Physiker wurde, spielte ich für meine Studenten den Entertainer. Das funktionierte: Meine Schüler waren besser als die anderen. Komplizierte Dinge lassen sich nur unterhaltsam vermitteln.
SPIEGEL: Werden Sie von Ihren Kollegen ernst genommen?
Kruszelnicki: Einige gucken auf den Boden, wenn sie mir im Flur begegnen, andere kommen in unsere Stand-up-Comedy-Show. Mittlerweile trete ich zusammen mit einem Mathematiker auf, Adam Spencer. Wir nennen uns die "Sleek Geeks" und füllen Hallen mit bis zu 2500 Leuten. SPIEGEL: Über welchen Witz wird am meisten gelacht?
Kruszelnicki: Klassische Physiker-Witze, so wie Blondinen-Witze, gibt es nicht. Die Leute sollen ja was lernen. Wir sind Geschichtenerzähler, wir übersetzen seriöse Forschung in verständliche Sprache - und machen das wohl sehr lustig. Am beliebtesten ist das Zuschauerexperiment, bei dem wir den Leuten erklären, warum sie alle Fusseln im Bauchnabel haben.
SPIEGEL: Warum sind Sie Physiker geworden?
Kruszelnicki: Mit sieben Jahren bekam ich ein Buch über Astronomie geschenkt, das habe ich verschlungen. Und mit meinem Wissen wurde ich plötzlich zum Star der Mädchen. Ehrlich: Es gibt keine besseren Groupies als Wissenschafts-Groupies. Eine, die sich in meinen Kollegen verliebt hat, hat ihre Telefonnummer geändert - ihre neue Nummer besteht jetzt nur noch aus Primzahlen.

DER SPIEGEL 3/2003
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