13.01.2003

LITAUENEU-Frust in der Provinz

Nur Tage nach seinem überraschenden Sieg bei der Präsidentenwahl erwiesen sich die EU-kritischen Parolen von Rolandas Paksas als Propagandablasen. Der 46-jährige Kunstflieger hatte seinen Kontrahenten, Amtsinhaber Valdas Adamkus, mit 54,9 Prozent der Stimmen ausmanövriert. Paksas gewann mit seinen rechtspopulistischen Slogans vor allem bei der Bevölkerung in der Provinz, die kaum vom Boom der vergangenen Jahre profitiert hat. Doch musste er zugeben, dass Neuverhandlungen mit Brüssel über EU-Agrarsubventionen oder die Abschaltung des umstrittenen Atomkraftwerks Ignalina nicht zur Debatte stünden. Sein Vorstoß, wenigstens einige Minister im Mitte-links-Kabinett auszutauschen, scheiterte auch am Einspruch von Regierungschef Algirdas Brazauskas. "Die EU-kritischen Töne von Paksas waren reine Wahlkampfrhetorik", sagt der Direktor des Instituts für internationale Beziehungen in Vilnius, Raimundas Lopata. Dennoch habe die Wahl eine tief greifende Spaltung der litauischen Gesellschaft in Gewinner und Verlierer des Transformationsprozesses offenbart, meint Lopata. Die Regierung sei nun gefordert, diese frustrierten Wähler zurückzugewinnen. Dafür hat sie gerade vier Monate Zeit - im Mai stimmen die Litauer in einem Referendum über den Beitritt ihres Landes zur EU ab.

DER SPIEGEL 3/2003
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LITAUEN:
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