13.01.2003

COMEDYClash der Komik-Kulturen

Der Kabarettist Arnulf Rating, 51, über „Maulhelden“, das 2. Internationale Festival der Wortkunst, das vom 17. bis 25. Januar in Berlin stattfindet
SPIEGEL: Herr Rating, Sie behaupten, das von Ihnen organisierte "Maulhelden"-Festival sollte den Humorstandort Deutschland stärken. Hat der das nötig?
Rating: Auf jeden Fall. Erst recht nach Pisa. Wenn Dummheit wehtun würde, wäre Aspirin in Deutschland ausverkauft. Deshalb benötigen wir Entwicklungshilfe. Nach dem Krieg gab es die Carrell-Hilfe aus Holland, danach die Container-Versorgung von Big Brother Endemol, aber jetzt kommt die spannende Szene nach Berlin. Etwa Shazia Mirza, die einzige muslimische Komikerin der Welt.
SPIEGEL: Und was treibt eine 27-jährige muslimische Komikerin, die im Schleier auftritt?
Rating: Ihr Gesicht ist unverhüllt. Sie tritt auf und sagt: "Ich heiße Shazia Mirza. So steht es jedenfalls in meinem Pilotenschein." Und dann erzählt sie von ihrem Erlebnis in Mekka, wo sie plötzlich eine Hand auf ihrem Hintern spürte: Das, so sagt sie, muss wohl die Hand Gottes gewesen sein.
SPIEGEL: Klingt ziemlich drastisch. Gibt es keine Sprachprobleme, weil viele Komiker ihre Gags auf Englisch abfeuern?
Rating: Nicht wirklich. Manche - wie unser letztjähriger Schirmherr Dario Fo - treten mit Dolmetscher auf und bringen dadurch sogar oft noch zusätzlichen Witz in die Sache. Ansonsten präsentieren wir lauter Künstler, die improvisieren können. Man verständigt sich eben auch mit Händen und Füßen, wie an der Costa Brava
SPIEGEL: Ihr Festival ist auch eine Verkaufsmesse. Erkennen Sie denn heute schon neue Comedy-Trends?
Rating: Es ist eine Politisierung der Szene festzustellen, auch bei Künstlern, die sich ganz locker geben. So wie Shazia Mirza gewinnen auch andere aus der Generation der Immigrantenkinder - wie Kaya Yanar und Bülent Ceylan - aus ihrem privaten "Clash of Civilizations" eine neue Art absurder Alltagskomik.
SPIEGEL: Inwiefern dient ein Festival wie Ihres den etablierten Kabarettisten als Gelegenheit für Humorspionage?
Rating: Das machen die Kollegen sowieso immer. Das ist auch völlig in Ordnung. Denn wie das Eigentum, so ist auch der gute Scherz dem Wohl des Ganzen verpflichtet.

DER SPIEGEL 3/2003
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