28.04.2003

RUSSLANDPapst willkommen?

Im Streit um die von Rom erstrebte Papst-Visite glaubt sich die Regierung in Moskau vor dem Durchbruch. Ein Abstecher des Oberhauptes der katholischen Kirche ins orthodoxe Russland sei "in nächster Zukunft möglich", verkündete Premier Michail Kassjanow nach einem Besuch beim italienischen Amtskollegen Silvio Berlusconi. Moskau will das Verhältnis zum Vatikan verbessern, die russisch-orthodoxe Kirche aber leistet weiter Widerstand. Nach Konsultationen mit dem Papst bat Berlusconi deswegen die Russen, ihm ein Treffen mit dem Oberhaupt der Orthodoxen, Patriarch Alexij II., zu arrangieren. Auch Moskau setzte einen Hebel an, um Alexij zu erweichen. Der Föderationsrat, das Oberhaus des Parlaments, verabschiedete Mittwoch voriger Woche eine Novellierung des Bodengesetzes und klärte damit eine für die Orthodoxen gefährliche Lage: Der wirtschaftlich angeschlagenen Kirche werden ab sofort alle von ihr belegten Ländereien zur pachtfreien Nutzung überlassen. Auch protokollarisch fand sich für die Papst-Visite schon ein Kompromiss: Johannes Paul II. soll in Kasan russischen Boden betreten - wenn er sich im August auf den Weg in die Mongolei macht. Die Millionenstadt an der Wolga hat freilich wenig mit dem Katholizismus zu tun, sie ist Hochburg der tatarischen Muslime. Die Vorbehalte der russischen Orthodoxie gegenüber dem Vatikan rühren daher, dass die katholische Kirche in Russland vorwiegend durch Amtsträger polnischer Herkunft auftritt und landesweit neue Mitglieder wirbt - ungenierte Missionierung, empören sich die Orthodoxen.

DER SPIEGEL 18/2003
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