05.05.2003

GESTORBENDorothee Sölle

Dorothee Sölle , 73. Die streitbare evangelische Theologin spaltete von Beginn ihres öffentlichen Auftretens an ihr Publikum in Fans und Feinde. In den achtziger Jahren war sie Aushängeschild der Friedensbewegung, mit ihren unverbrüchlich linken Positionen zuletzt allerdings kaum noch von den Medien gefragt. Sie nannte Stolpes Stasi-Verstrickung eine Bagatelle und unterstützte die PDS bei Bundestagswahlen, was ihr als Naivität angekreidet wurde. Linke Irrtümer waren für sie stets Irrtümer im guten Glauben, ihr Feind stand rechts oder in Amerika. Gegen Bushs Irak-Krieg zog die Mutlangen-Demonstrantin noch kürzlich zu Felde. Über 30 Gedichtbände und Bücher schrieb sie, 1997 ihr Hauptwerk "Mystik und Widerstand". Trotz Habilitation erhielt sie in Deutschland nie einen Lehrstuhl. Konservative Christen empörten sich 1969 über die Heirat mit einem Ex-Benediktinermönch grimmig: "Niedergefahren zur Sölle". Dorothee Sölle starb am 27. April in Göppingen an einem Herzinfarkt.

DER SPIEGEL 19/2003
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