14.07.2003

Klüger werden mit:Richard Conniff

Der 52-jährige Zoologe über das Imponiergehabe von Tieren und Menschen
SPIEGEL: Gibt es einen Unterschied zwischen einem Palm-Beach-Millionär und dem Oberhaupt einer Orang-Utan-Familie?
Conniff: Keinen großen. Beide sind sich in ihrem Dominanzgebaren und Balzverhalten erschreckend ähnlich. Man muss nur genau hinschauen. Für mein Buch "Magnaten und Primaten" habe ich die sozialen Muster von Alpha-Tieren mit denen von reichen Menschen verglichen. Bei Leittieren kannte ich mich als Zoologe bestens aus. Das Wissen über die Reichen musste ich mir erst aneignen. Ich habe sie studiert wie eine seltene Tierart und festgestellt, dass ihre Welt genauso unterhaltsam und bizarr ist.
SPIEGEL: Kann man sagen: Je reicher ein Mensch ist, desto animalischer sein Verhalten?
Conniff: Für die Donald Trumps dieser Welt, die sich ihr Vermögen selbst erarbeitet haben, trifft das zu. Ihr Weg zur Macht besteht aus demselben Mix wie der von Alpha-Tieren: einschüchtern, finster dreinschauen und aggressiv auftreten. Erben dagegen verhalten sich anders. Beiden ist aber gemeinsam, dass sie weitaus mehr Sex mit verschiedenen Partnern haben als nichtreiche Leute. Auch das verbindet sie mit Leittieren.
SPIEGEL: Wie haben Sie recherchiert?
Conniff: Ich habe Unmengen von Material über Reiche gelesen, sie besucht, ihr Personal befragt und sie vor allem in ihren bevorzugten Habitaten beobachtet. In Bel Air habe ich mir sogar einen roten Ferrari gemietet. Das erinnerte mich an ein Schwalben-Experiment eines Kollegen: Den Nicht-Alpha-Schwalben hatte man falsche, längere Schwänze angeklebt. Kurzzeitig genossen sie Aufmerksamkeit, aber mehr Nachkommen bekamen sie nicht. Die Weibchen durchschauten den Trick schnell.

DER SPIEGEL 29/2003
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