11.08.2003

WEST-LBAbfindungen in Millionenhöhe

Jürgen Sengera, Ex-Vorstandschef der WestLB, und sein Vorstandskollege Andreas Seibert können mit Abfindungen von jeweils rund drei Millionen Euro rechnen, obwohl sie am 23. Juni auf Veranlassung der Finanzaufsicht BAFin beurlaubt wurden. "Die Arbeitsverträge werden erfüllt", sagt der WestLB-Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Lüthje. Da beide Vorstände Verträge bis 2006 haben, können sie damit rechnen, dass ihnen ihre Gehälter bis dahin ausgezahlt werden. Es habe keinen Grund zur fristlosen Kündigung gegeben, meint Lüthje. Beiden sei weder Fahrlässigkeit noch mangelnde Sorgfaltspflicht vorzuwerfen. Das Urteil der amtlichen Prüfer der BAFin sieht anders aus: Sie werfen Sengera und Seifert vor, den Kreditausschuss des Aufsichtsrats "in wesentlichen Teilen unzutreffend" über das Kreditengagement bei dem britischen Leasing-Unternehmen Boxclever unterrichtet zu haben, das bisher zu Wertberichtigungen von über 600 Millionen Euro führte. So verwies Sengera am 9. März 2000 im Kreditausschuss auf die Errichtung eines Bardepots von 200 Millionen Pfund. Tatsächlich war diese interne Auflage, so der Prüfbericht, durch den Vorstandsbeschluss vom 14. Dezember 1999 aufgehoben worden. Seibert behauptete im Kreditausschuss am 14. Februar 2002, dass bei der Platzierung so genannter Notes am Kapitalmarkt keine Probleme zu erwarten seien. Dabei hatte eine britische Bank ausweislich ihm zugänglicher Unterlagen zu diesem Zeitpunkt kein Interesse mehr. Am 25. April 2002 legte die Innenrevision der WestLB, so belegen interne Unterlagen, dem zuständigen Vorstand Seibert einen detaillierten Prüfbericht über "erhöhte latente Risiken" bei Boxclever vor. Der fand es nicht einmal nötig, seinen Vorstandskollegen den Bericht zukommen zu lassen oder eine effizientere Risikokontrolle einzusetzen.

DER SPIEGEL 33/2003
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