11.08.2003

Was war da los, Herr Amini?

Der in London lebende iranisch-kurdische Dichter Abbas Amini, 33, über Selbstverstümmelung als Protestform
"Ich selbst hatte mir meine Augen, Mund und Ohren zugenäht. Ich wollte unbedingt sterben, als ich erfuhr, dass mein Asylantrag vom britischen Innenministerium abgelehnt worden war. Aber ich wollte nicht einfach nur in Hungerstreik treten. Über sechs Jahre war ich wegen meiner Gedichte in Iran im Gefängnis. Ich wurde gefoltert und musste weitaus schlimmere Schmerzen ertragen als die, die ich beim Zunähen meiner Augen hatte. Trotzdem sollte ich abgeschoben werden. Nach elf Tagen in Dunkelheit beschloss ich, doch am Leben zu bleiben. Freunde hatten mir erzählt, wie groß die Resonanz auf meine Aktion war. Es gab Demonstrationen, die dazu führten, dass ich jetzt in London bleiben darf. Eine Krankenschwester kam zu mir nach Hause und entfernte alle Fäden. Die Kinder meines besten Freundes waren das Erste, was ich sah, als ich meine Augen aufschlug."

DER SPIEGEL 33/2003
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