11.08.2003

USAFalken im Sturzflug

Im Dauerkonflikt mit dem Pentagon hat Außenminister Colin Powell, 66, an Boden gewonnen - durch Loyalität und Abwarten. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, 71, und sein Stellvertreter Paul Wolfowitz, 59, - die Gegenspieler des als gemäßigt geltenden Powell - stehen dagegen im Senat unter Dauerbeschuss, weil sie in Verdacht geraten sind, die Wahrheit über die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins manipuliert zu haben. Zudem wird ihnen das Desaster im Nachkriegs-Irak zur Last gelegt.
Kritik an der Selbstherrlichkeit der Pentagon-Führung dringt mittlerweile auch aus dem Weißen Haus. Zwar hängt Powell die Präsentation der angeblichen Beweise vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Begründung des Krieges an, aber er hat weit weniger Schaden genommen als seine Kontrahenten Rumsfeld und Wolfowitz. Gerüchte, er sei amtsmüde und wolle zurücktreten, falls George W. Bush im Jahr 2004 wiedergewählt werde, hatte Powell vergangene Woche vehement zurückgewiesen. Zudem sprang ihm der Präsident bei und ließ seinen Sprecher Scott McClellan erklären, der Außenminister, der sich in Amerika noch immer großer Beliebtheit erfreut, "leistet Großartiges".
Für Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, 48, die wegen der "Kriegslügen"-Debatte ebenfalls unter Beschuss geraten war, hatte der Präsident kürzlich persönlich eine Ehrenerklärung abgegeben: Sie sei ein "ehrlicher, fabelhafter Mensch". Rumsfeld und Wolfowitz hingegen bleibt die Verteidigung ihrer Irak-Politik selbst überlassen. Dazu gab es aus dem Weißen Haus bisher vor allem eines: beredtes Schweigen.

DER SPIEGEL 33/2003
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