11.08.2003

UKRAINESpannung am Schwarzen Meer

Die überwiegend von Russen bewohnte Krim-Halbinsel am Schwarzen Meer, die zur Ukraine gehört, entwickelt sich mehr und mehr zum Konfliktherd zwischen der christlich-orthodoxen Mehrheitsbevölkerung und einer Minderheit muslimischer Krimtataren. Etwa eine viertel Million Angehörige des Turkvolks, das Stalin 1944 der Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht bezichtigte und nach Zentralasien deportierte, sind nach dem Zerfall der UdSSR in die alte Heimat zurückgekehrt. Russische Experten wie der Leiter des Moskauer Instituts für die GUS-Länder, Konstantin Satulin, befürchten, die von KP-Chef Nikita Chruschtschow 1954 der Ukraine übergebene frühere russische Halbinsel könnte sich bald zu einem "neuen Kosovo" entwickeln. Anlass für Besorgnis vor allem bei der russischen Bevölkerung im Westen der Küstenprovinz um die Tataren-Hochburg Bachtschisarai geben die hohe Geburtenrate der Krimtataren und die von ihnen geschaffenen parallelen Machtorgane mit eigener Steuererhebung. Selbst gemäßigte Krimtataren-Führer warnen inzwischen vor dem wachsenden Einfluss von Muslim-Extremisten mit Kontakten nach Saudi-Arabien. Experten schätzen, dass die Muslime - derzeit rund zehn Prozent der Krim-Bewohner - bei anhaltender Abwanderung der russischen Bevölkerung in 20 Jahren rund die Hälfte der Bevölkerung im heruntergewirtschafteten Touristenparadies stellen könnten.

DER SPIEGEL 33/2003
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