11.08.2003

KÖRPERSCHMUCKAutolack in der Haut

Tattoos liegen im Trend: Rund zehn Prozent der Bevölkerung in der westlichen Welt, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, haben sich bereits farbenfrohe Bilder unter die Haut sticheln lassen. Stört dann irgendwann der Name des Ex-Partners auf Oberarm oder Pobacke, lassen sich viele Tätowierte das Bildchen mit Hilfe eines Lasers entfernen. Doch das ist nicht ohne Risiko: Wolfgang Bäumler, Physiker an der Klinik für Dermatologie der Universität Regensburg, hat jetzt herausgefunden, dass die energiereichen Laserimpulse Farbpigmente im Tattoo chemisch spalten können, so dass giftige oder Krebs erregende Stoffe entstehen, etwa Dichlorbenzol oder Methylnitroaniline. "Wir wissen allerdings noch nicht, in welchen Mengen diese Stoffe in den Körper gelangen, da auch die Menge an tätowierten Pigmenten noch unbekannt ist", so Bäumler. Denn was genau mit den Tätowiernadeln in die Haut eingestochen wird, wissen meist selbst die Betreiber der Tattoo-Läden nicht. Bäumler, der als deutscher Vertreter in einer von der EU-Kommission eingesetzten Arbeitsgruppe zur Erforschung von Gesundheitsgefahren durch Tattoos und Bodypiercings sitzt, hat Tattoo-Farbe aus solchen Studios analysiert. Ergebnis: Die Farbpigmente, überwiegend so genannte Azofarbstoffe, waren meist für ganz andere Zwecke hergestellt worden, etwa für Autolacke oder zum Einfärben von Kunststoffen. "Wenn Ihnen ein Mediziner unerforschte Substanzen spritzt, kann er seine Approbation verlieren", schimpft Bäumler, "aber wenn das ein Tätowierer macht, ist das völlig in Ordnung."

DER SPIEGEL 33/2003
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