11.08.2003

GESTORBENRoberto Marinho

Roberto Marinho , 98. In über hundert Ländern laufen die Seifenopern seines Senders TV Globo - das sichtbare Vermächtnis dieses brasilianischen Medienmagnaten, der sich immer als Journalist verstand. Als junger Mann hatte Marinho von seinem Vater eine kleine, unbedeutende Zeitung in Rio geerbt. Er machte "O Globo" zu einem der wichtigsten Blätter Brasiliens. Es ist das Herzstück seines Medienimperiums, doch seine Macht erlangte er durch das Fernsehen. Unter der Militärdiktatur erhielt Marinho die Lizenz für einen landesweiten Sender. Das verschaffte ihm einen Wettbewerbsvorteil, den die Konkurrenz nie einholen konnte; er wurde zu einem der mächtigsten Männer des Landes. Über 70 Prozent der Bevölkerung sehen Globo, seine perfekt gemachten Novelas diktieren Mode, prägen Alltag und Kultur des größten lateinamerikanischen Landes. Bei der Präsidentschaftswahl 1989 machte Globo unverhohlen Wahlkampf für Marinhos Favoriten Fernando Collor, den Linken Luiz Inácio "Lula" da Silva überzog der Sender mit einer Schmähkampagne. Andererseits gewährte Marinho während der Militärdiktatur kritischen Journalisten Zuflucht in seiner Redaktion, mit diebischer Freude umdribbelte er die Zensur des Regimes. Marinho war ein klassischer Patriarch, seine Angestellten nannten "Dr. Roberto" hinter vorgehaltener Hand "Gott". Roberto Marinho starb am 6. August in Rio de Janeiro.

DER SPIEGEL 33/2003
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