11.08.2003

GESTORBENGuy Thys

Guy Thys , 80. Einen Maradona, urteilte Belgiens knorriger Trainerstar ehedem, könne er schlicht "nicht brauchen", denn im Mannschaftssport Fußball "zählen die Zirkusstars nichts". Der bisweilen etwas kauzige Verfechter des Kollektivgedankens führte während seiner 14jährigen Tätigkeit als Nationalcoach die belgische Auswahl aus der Zweitklassigkeit - und bei der Europameisterschaft 1980 sogar bis ins Finale, wo die "Roten Teufel" der Mannschaft Deutschlands mit 1:2 unterlagen. Der frühere Stürmer saß auch als Verantwortlicher auf der Trainerbank, als Belgien 1986 in Mexiko mit Platz vier den größten Erfolg des Landes bei einer Weltmeisterschaft feierte. Dreimal in Folge, von 1982 bis 1990, schaffte das Nationalteam unter seiner Betreuung die WM-Qualifikation. Der passionierte Zigarrenraucher und Whisky-Kenner gab den Fans das Selbstbewusstsein zurück. "Auch belgische Mütter", stellte er einmal klar, "haben Söhne, die gute Fußballer sind." Guy Thys starb am 1. August in Wilrijk bei Antwerpen.

DER SPIEGEL 33/2003
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