06.10.2003

AUSTRALIENStraffe Zügel

Nachdem eine von Australien geführte Eingreiftruppe im Juli die Anarchie auf den Salomonen beendete, wendet sich Canberra jetzt dem nächsten Problemfall zu. Der 1975 unabhängig gewordenen früheren australischen Kolonie Papua-Neuguinea soll die Finanzhilfe von jährlich 192 Millionen Euro gekürzt werden, wenn dort keine rechtsstaatlichen Zustände einkehren. In der Hauptstadt Port Moresby leben Ausländer hinter Stacheldraht, Korruption ist allgegenwärtig, im Bergland herrschen Stammesfürsten. Zwar beschwerte sich Premierminister Michael Somare, 67, über den Einmischungsversuch, doch Papua-Neuguinea ist auf das Geld angewiesen, es bestreitet damit ein Fünftel seines Haushalts. Für Australiens Regierungschef ist diese Politik der straffen Zügel bereits Teil des Wahlkampfs. John Howard, 64, strebt nächstes Jahr eine vierte Amtszeit an; vorige Woche bildete er sein Kabinett auf etlichen Positionen um. Wichtigste Personalie ist die Ernennung des bisherigen Einwanderungsministers Philip Ruddock, 60, zum obersten Justizbeamten. Unter Ruddock kam es zu Revolten in australischen Flüchtlingslagern. Seine strenge Asylpolitik wurde dennoch bei der Bevölkerung nach den vorrangig gegen Australier gerichteten Anschlägen von Bali im Oktober 2002 immer populärer.

DER SPIEGEL 41/2003
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