18.08.1954

Zahlen

Die Urabstimmung der bayerischen Metallarbeiter über ihren Lohnstreik erbrachte 110 342 Stimmen für den Streik bei insgesamt 120 597 abgegebenen gültigen Stimmen. Damit waren 91 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen für den Streik. Vor der Urabstimmung hatten aber Funktionäre zur Bekräftigung der gewerkschaftlichen Legitimation behauptet, 215 155 Beschäftigte oder 85 Prozent von 257 366 Arbeitnehmern der bayerischen Metallindustrie seien gewerkschaftlich organisiert. Der bayerische Arbeitgeberverband rechnete das gewerkschaftliche Zahlenspiel nach und kam zu folgendem Ergebnis: "Setzt man die nicht abstimmungsberechtigten Lehrlinge und die Beschäftigten im Hochwassergebiet, wo nicht gestreikt wird, von den 257 366 Beschäftigten ab, so bleiben rund 240 000. Da nach Angabe der Gewerkschaft 85 Prozent der Beschäftigten organisiert sind, müssen rund 204 000 Beschäftigte zur Teilnahme an der gewerkschaftlichen Urabstimmung berechtigt gewesen sein. Die Ja-Stimmen (110 342) machten demnach zwar vielleicht 91 Prozent der abgegebenen Stimmen, aber nur rund 54 Prozent der Abstimmungs berechtigten aus. Folglich waren die nach den Satzungen der Gewerkschaft (§ 14) zum Streikbeschluß erforderlichen 75 Prozent Ja-Stimmen aller Stimm berechtigten
nicht erreicht." Die Gewerkschaften trugen zur Klärung dieser Zahlenmystik lediglich die Bemerkung des Gewerkschaftsfunktionärs Eßl bei: "Es mag Zeiten gegeben haben, wo man diese Dinge mit den Zahlen nicht so ernst nahm."

DER SPIEGEL 34/1954
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