18.08.1954

AFRIKAEs geht um das Land

Die Kinderstube europäischer Weltherrschaft war der Atlantische Ozean. In drei Jahrhunderten eroberte der weiße Mann die anrainenden Kontinente Nord-, Mittel-, Südamerika und Afrika.
Während er aber Amerika nahezu total europäisieren konnte, blieb Afrika eine Siedlungs- und Zivilisationslücke, und seit einiger Zeit leckt durch diese Lücke asiatischer Freiheitsdrang. Die menschlichen und geistigen Beziehungen, die etwa eine halbe Million in Afrika ansässiger Inder zu ihrem Mutterland unterhalten, bilden eine der Brücken, über die Afrika die revolutionären Botschaften Asiens - den Kommunismus Mao Tse-tungs und den Nationalismus Jawaharlal Nehrus - empfängt.
Anfang August nun erinnerte Südafrikas Ministerpräsident Daniel F. Malan die einstigen europäischen Weltbeherrscher an ihre gemeinsame Kinderstube. Er forderte eine Garantie der Atlantikpakt-Organisation (Nato) für Südafrika.
Als die gefährlichste Bedrohung des weißen Mannes in Afrika bezeichnete Malan nicht den Kommunismus, sondern das Indien Nehrus: "Die Politik Herrn Nehrus bedeutet in der Tat, daß die vier europäischen Mächte (England, Frankreich, Belgien, Portugal) und der weiße Mann überhaupt sich aus Afrika zurückziehen sollen."
Malans militärpolitischer Berater, General F. H. Theron, spezifizierte Südafrikas Wünsche mit dem Vorschlag einer "South Atlantic Treaty Organisation" (Sato). "Die Gefahr", sagte der General, "die vor uns liegt, ist sehr real und ernst."

DER SPIEGEL 34/1954
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