27.10.2003

LEBENSVERSICHERUNGErhebliche Vermögensverluste

Immer mehr Arbeitslose werden gezwungen, die ihrer Altersvorsorge dienenden Lebensversicherungen zu verkaufen. Seit dem 1. Januar 2003 darf ein Langzeitarbeitsloser nur Ersparnisse in Höhe von 200 Euro pro Lebensjahr behalten, wenn er Arbeitslosenhilfe kassieren will. Ein 50-Jähriger muss also zunächst auf sein Vermögen zurückgreifen, sobald er mehr als 10 000 Euro in Lebensversicherungen, Investmentfonds oder auf dem Sparbuch angelegt hat. Insgesamt 60 000 Menschen wurde bisher, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der Anspruch auf Arbeitslosenhilfe verweigert, weil sie zu vermögend sind.
Viele Arbeitslose waren gezwungen, ihre Policen zu veräußern. Die vorzeitige Kündigung führt zu erheblichen Vermögensverlusten. Während der ersten Jahre liegt der Rückkaufswert einer Lebensversicherung bei vielen Gesellschaften nahe null, weil die Versicherer zunächst ihre üppigen Vertriebsprovisionen abziehen. Im Branchendurchschnitt dauert es etwa 13 Jahre, bis wenigstens die eingezahlten Beiträge bei einer vorzeitigen Kündigung zurückgezahlt werden.
Doch auch wer einige Jahre vor Ablauf der Vertragslaufzeit von durchschnittlich 27 Jahren aussteigt, muss mit erheblichen Vermögenseinbußen rechnen. So wirft eine typische Lebensversicherung bei der Allianz mit einem Monatsbeitrag von 150 Euro bei einem Rückkauf nach 20 Jahren 43 842 Euro ab. Ohne Rückkauf ergibt sich nach 35 Jahren ein Wert von 147 829 Euro. Neben dem Zinseszinseffekt wirken sich hier die hohen Stornogebühren und der teilweise Abzug der so genannten Schlussgewinnanteile aus.
Das Geld wird den Arbeitslosen im Alter letztlich fehlen. "Langfristig besteht die große Gefahr, dass für mehr Menschen im Alter staatliche Leistungen gewährt werden müssen", heißt es beim GDV.
Mit dem Mitte Oktober im Bundestag verabschiedeten Hartz-IV-Gesetz wurden die Freibeträge für das Vermögen, das längerfristig Arbeitslose behalten dürfen, verdoppelt. Nun dürfen sie 200 Euro pro Lebensjahr für Altersvorsorgeprodukte wie Lebensversicherungen und weitere 200 Euro pro Lebensjahr für sonstige Ersparnisse behalten.
Trotzdem sind die Freibeträge gerade bei den Lebensversicherungen rasch überschritten. Von der Kündigung raten die Versicherungsexperten allerdings meist ab. Denn der Wiedereinstieg in einen neuen Vertrag ist in der Regel gerade für Ältere extrem teuer.
Um sich die nötige Liquidität für den Lebensunterhalt zu besorgen, können Arbeitslose beispielsweise ihre Policen beleihen. Auch eine Teilkündigung bis zu dem Betrag, den die Arbeitslosen behalten dürfen, ist oft die bessere Alternative. So können sie zu den alten Konditionen wieder für die Altersvorsorge ansparen, wenn die Arbeitslosigkeit zu Ende ist.

DER SPIEGEL 44/2003
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LEBENSVERSICHERUNG:
Erhebliche Vermögensverluste

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