03.10.1951

... UND WIR SIND NOCH SO JUNG AUS DEM DREHBUCH „PRIMANERINNEN“

E. 278
Ursula, im Tennisdreß hinter einer Bank, auf der Thomas sitzt.
Guten Abend, Thomas,
sagt sie und reicht ihm lächelnd die Hand
Thomas fährt herum:
Usch!
Er faßt sie an der Hand, zieht sie zur Bank, setzt sich neben sie:
Ursula:
Guten Abend, Thomas, Du hast Dich gar nicht geändert, bist immer noch so lustig.
Thomas:
Wo warst Du?
Ursula zieht das Näschen hoch:
Tennisspielen, lieber Thomas, Tennisspielen.
Thomas unwillig:
Usch, sei nicht albern.
E. 279
Ursula:
Aber Albernheit ist das Vorrecht der Jugend, und wir sind doch noch so jung, Thomas, fast zu jung ...
E. 283
Ursula (ohne die anfänglich gespielte Sicherheit):
Ich dachte und hoffte - sei nicht bös', daß ich es hoffte,
Beide ins Bild.
Du würdest alles vergessen können und eines Tages ganz fortbleiben.
E. 284 Groß
Ursula:
Ich wollte allem davonlaufen, Thomas, weil ich weiß, daß es nicht gut sein kann.
E. 285
Thomas:
Das weißt Du nicht, Usch ...
E. 286 Beide
Ursula:
Aber ich habe Angst ...
Thomas:
Angst? - Wir lieben uns doch, Usch ...
Sie sieht nicht auf Thomas:
Weißt Du es ganz sicher?
Thomas:
So sicher, daß ich wußte, daß Du kommen mußtest ...
E. 287 Groß
Sie sieht ihn groß an, nickt, wie um sich zu bestätigen, und sagt:
Ja, ich bin hier ...
E. 227
Ursula legt das Rad ins Gras und geht ans Wasser.
Er reicht ihr die Hand, sie tritt ins Boot, Thomas stößt ab. Die beiden sehen sich an. Ursula:
Bist Du sehr böse?
Da legt Thomas das Ruder bzw. die Stange weg:
Das kommt darauf an
und kommt langsam auf sie zu.
Ursula:
Worauf?
und weil er immer näher kommt:
Was willst Du denn?
E. 228 Nah
Thomas:
Endlich mal einen Kuß.
Er bleibt vor ihr hocken.
E. 229
Ursula:
Was heißt dabei endlich?
E. 230
Thomas:
Weil ich es auf die Dauer langweilig finde, auf Deine verschrobenen bürgerlichen Anschauungen Rücksicht zu nehmen und immer den wohlerzogenen jungen Mann zu spielen.
E. 231
Ursula lacht:
Was, Du spielst und bist gar keiner?
E. 232
Thomas:
Doch, doch, aber Du mißbrauchst mich ja. Du hast eine Art, einen dauernd stumm zurechtzuweisen, daß man nach und nach Minderwertigkeitskomplexe kriegt.
E. 233
Ursula:
Ach, und vor lauter Minderwertigkeitskomplexen kriegst Du schlechte Absichten?
E. 234
Thomas komisch entrüstet:
Was heißt hier schlechte Absichten? Ich will einen Kuß!
E. 235
Ursula:
Eben! Damit fangen die schlechten Absichten an.
Sie weicht noch ein Stück bis ans äußerste Ende des Boots zurück, als Thomas nach ihr greift.
Ursula:
Geh weg, Du!
Thomas:
Ich denke gar nicht daran.
Er bückt sich zu ihr hinab, bekommt dann aber plötzlich einen heftigen Stoß von ihr:
Denkste!
Thomas taumelt zurück, stolpert dabei über die Bootsbank und kippt über Bord.
Thomas!
schreit Ursula erschrocken auf und beugt sich über den Rand.
E. 236
Thomas ist untergegangen.
Thomas!
ruft Ursula noch einmal, als er plötzlich hinter ihr niest.
- Niesen -
E. 237
Thomas guckt mit dem Kopf über den Bootsrand:
Kriege ich nun einen Kuß oder kriege ich keinen?
E. 238
Ursula kniet vor Thomas nieder, ist etwas ratlos:
Ich kann Dich doch nicht küssen, damit Du Deine Minderwertigkeitskomplexe loswirst?
Thomas schüttelt den Kopf:
Ein besserer Grund fällt Dir wohl nicht ein?
Ursula guckt ihn befangen an, seufzt dann:
Und Du?
Thomas nickt, lächelt:
Ich Dich auch ..., sehr!
Da beugt sie sich zu ihm hinunter und küßt ihn auf den Mund.
E. 239
Thomas erhebt sich lachend. Das Wasser ist bei weitem nicht so tief, wie es den Anschein hatte, es geht ihm nicht einmal bis an die Brust.
E. 240
Ursula schüttelt den Kopf:
Du bist ja doch ein Erpresser!
E. 389
Ursula und Thomas stehen sich gegenüber, Ursula legt ihre Hand auf seinen Arm:
Im Sommer kommst Du für viele Wochen zu uns aufs Gut. Darauf mußt Du Dich freuen, diesen ganzen Winter und Frühling, ja, Thomas?
Thomas nickt.
E. 390
Ursula groß über Thomas:
Aber nicht wahr, Thomas, Du liebst mich nicht nur, wenn Du mich küßt ... wenn ich bei Dir bin ...?
E. 391
Ueber Ursula auf Thomas. Er streicht ihr übers Haar:
Was für dumme Gedanken Du hast. Ich werde Dich immer lieben ...
- Einsteigen bitte -
hört man rufen. Ursula steigt auf das Trittbrett. Thomas hält ihre Hand in beiden Händen. Ursula unter Tränen:
Ich werde immer warten, bis Du kommst ...
E. 392
Ueber Ursula auf Thomas.
Thomas:
Es ist ja nicht mehr lange hin, Usch. Sieben Monate noch, dann ist meine Zeit hier auch um, dann sehen wir uns wieder.
Stimme des Schaffners:
Einsteigen bitte, Türen schließen.
E. 548
Ursula springt vom Pferd. Appache fängt an zu grasen, während sie sich an einen Baumstamm lehnt.
E. 549
Thomas kommt heran, steigt ebenfalls ab und läuft auf sie zu.
E. 550
Nimmt sie leidenschaftlich in die Arme, küßt sie lange:
Usch ...,
stammelt er:
... liebe Usch ..., ich war ein Narr, es ist ja alles nicht wahr, die letzten zwei Jahre, es stimmt ja alles nicht. Ich habe doch immer nur Dich geliebt, auch in Regine, immer nur Dich ..., jetzt weiß ich es ... Ich ...
Ursula unterbricht ihn hart:
Hör auf!
E. 551
Thomas fährt erschrocken zurück.
E. 552
Ursula mit Thomas im Anschnitt. Ursulas Gesicht ist tränenüberströmt.
E. 553
Thomas begreift nicht:
Was ist denn, Usch?
E. 554
Sie spricht mehr zu sich selbst:
Ich schäme mich ... weil ich so dumm war ... ich wollte etwas wahrhaben, was gar nicht existiert ... vielleicht hat es überhaupt nie existiert ...
Sie sieht ihn an:
... bei Dir, Thomas, - Du kommst hierher und tust so, als wäre nie etwas gewesen zwischen uns. Du hältst mir vor, daß ich Deine Welt nicht kenne und hast mich nicht einmal gefragt, ob ich immer hier gelebt habe in den letzten Jahren ...
E. 555
Thomas:
Aber Usch ..., ich habe Dich noch nie vergessen. Ich mußte mich erst zurechtfinden, und da war eben auch Regine, mit der zusammen alles leichter fiel am Anfang.
E. 556
Ursula:
Natürlich, Thomas ..., sie war näher; und jetzt bin ich näher, und gleich soll alles nicht mehr wahr gewesen sein mit Regine. Aber ich glaube Dir nichts mehr, Du hast mich ja erst zur Kenntnis genommen, als ich Dir vorspielte, was Du modern nennst, heute nacht, als ich zu Dir ins Zimmer kam und heute morgen am See.
E. 557
Thomas faßt sie an den Schultern:
Usch, hör auf, sag', daß alles nicht wahr ist, daß Du jetzt mit mir spielst.
Er schüttelt sie. Ursula schiebt ihn von sich:
Warum bist Du nur gekommen ...
E. 558
Und dann geht sie an ihm vorbei und steigt auf Appache.
Thomas steht einen Augenblick unschlüssig, tritt auf Appache zu:
Usch!
Ursula, ohne ihn anzusehen:
Ich möchte wieder allein sein ...
Sie neigt den Kopf ein wenig, als wollte sie ihm Lebewohl sagen, aber sie sagt nichts, sondern gibt dem Pferd die Sporen und jagt davon.

Aus "Ursula"
Novelle von Klaus E. Boerner
Da kam Ursula, im kurzen weißen Tenniskleidchen, mit nackten Beinen, nur schmale Söckchen in den weichen Schuhen, und schwang ihren Tennisschläger lustig hin und her.
So spät sitzt du noch hier! lachte sie und setzte sich neben mich.
Ich habe gewartet.
Auf wen?
Auf die böse Usch, die alles vergessen hat.
Sie hat nichts vergessen, Thomas, sie hat dich doch gebeten, manchmal zu warten, wenn es nicht anders sein darf!
Darf? frug ich. Hängt es von so wichtigen Umständen ab, wann und ob du darfst?
Ursula sah mich ernst an, aber sie antwortete nicht. Ich streichelte ihren Arm, der sich an meine Schulter preßte.
Nun bist du mir so böse gewesen, sagte Ursula. Sie kratzte mit ihren Schuhen wirre Zeichen in den Kies ...
Warum hast du dich gefürchtet? Bin ich so schrecklich?
Usch schüttelte den Kopf: Nein, es ist nur die Angst. Ich will es dir sagen, zwischen uns soll alles offen und ehrlich sein, und wenn du es auch nicht verzeihen könntest und gingest: ich hatte Angst vor dem, was zwischen uns ist, ich hatte Angst davor, dich lieb zu haben oder gar von dir geliebt zu werden - Angst, obwohl es so sehr, sehr, sehr schön ist. Darum hoffte ich, es könne doch alles nur ein kurzes Spiel gewesen sein und zu unwichtig für dich, ihm lange nachzuschauen - -
Und jetzt?, frug ich tonlos.
Usch nahm meine Hand und streichelte sie. Sie hob den Kopf auf zu mir und sah mich an: Jetzt habe ich keine Furcht mehr vor unserer Liebe!
Da trat das verschenkende Lächeln auf ihr nahes Gesicht, das mir an jenem Abend ihre Liebe versprochen hatte.
Usch, liebe Usch!, antwortete ich. Hättest du mich doch etwas von deinem Weinen wissen lassen! Es ist ja ganz falsch, wenn du meinst, dich nicht an mich binden zu dürfen. Ich selbst bin es ja, der zu dir kam, der dich suchte und fand. Ich selbst bin es, der jemand braucht, um nicht alles trostlos verlassen bei sich zu tragen. Seit jenem Tag am Fluß, wo du frugst, was ich an dir hätte, habe ich dich so lieb wie keinen anderen Menschen. Ich verstehe deine Furcht und Scheu, ich habe selbst gebangt, ob ich dich überhaupt für mich verlangen dürfe. Sieh', das ist alles neu für dich und mich, darum ist es schwer. Vielleicht nehmen es andere schnell und leicht hin, aber das könnte ich nie, weil schon zu viel Verlorenes hinter mir liegt.
Erst war keine Liebe in mir, zuerst war es ein großes Erstaunen, dann ein tiefes Denken, daß du da bist und wie du bist, Usch! Da habe ich gemeint, wir beide müßten immer zusammenhalten und alles hätte sich nur so gefügt, um zu dir zu kommen, alles von Anfang an, daß ich hierher kam, daß ich bei Birkenfelds wohne und du zu Veronika gingst. Nein Usch, wir wollen keine Angst haben, ich will immer offen zu dir und du sollst es zu mir sein. Sicherlich ist es so schwer, weil wir jung sind, aber ich möchte es mit dir zusammen sein, ich möchte das Du, das wir uns gaben, ganz tief und ausnahmlos nehmen - sieh', dies ist meine Liebe zu dir. Und nun mußt du wieder lachen, du bist so schön, wie du lieb bist, Usch!
Der leuchtende Blick aus den lieben Mädchenaugen gibt mir stumme Antwort, Vertrauen und Versprechen liegt darin und ein seliges Verschenken. Ich halte die schmale Hand, in der es leise zittert wie nach taumelndem Sturm, ich streichele sie und segne sie, daß sie mir gereicht wurde.
(Vergl. Drehbuch, Einstellungen 278-287)

Aus "Ursula"
Wir lehnen die Räder an den knorrigen Stamm einer Buche. Wir schauen uns an, ein wenig verlegen in dem einsamen Beieinandersein. Da lege ich den Arm um ihren Nacken, sehe in ihre Augen: Jetzt ist es so, wie wir es wollten, Usch! Und ich presse mein Gesicht an das ihre, umschlinge sie fest mit beiden Armen und küsse sie lange auf Stirne und Mund.
Ihr lieber schmaler Mund mit der etwas zu kurzen Oberlippe, die ihn kindlich und offen macht, um den es zuckt, daß ich ihn immer wieder küssend beruhigen muß!
Ursula umfaßt mit beiden Händen meinen Kopf: Nun bist du nicht mehr allein!
In ihren Augen, die ich kenne seit undenklichen Zeiten, glitzern Tränen.
So traurig bis du, Usch?
Das Mädchen schüttelt den Kopf, senkt ihn tief hinab, daß eine Träne auf unsere ineinandergefalteten Hände fällt. Ich spüre sie heiß durch den ganzen Körper rieseln, wie wogendes Blut, heilig empfangenes neues Blut.
Ich habe sie noch nie gesehen, noch geglaubt, daß sie geweint werden können. Ursula weint sie, die Tränen der Freude, Ursula, die mich liebt!
Wir suchen uns ein gebüschumstandenes Grasfleckchen, da setzen wir uns hin, eng umschlungen. Ursulas Tränen trocknen, ich küsse sie von ihrem lieben Gesicht. Ein heißes Fröhlichsein packt uns, unter Lachen, schelmischem Abwehren, scheinbarem gegenseitigem Ueberrumpeln erhasche ich immer wieder ihren Kopf.
Ursula liegt lang im Gras. Heute hat sie keine Sorgen um ihre Beine, braun und schlank sind sie, bis über die Knie frei. Wieder hat Usch ein kurzes Kleidchen an - darin fährt sich besser, behauptet sie brav - das auch ärmellos ist. Ich beuge mich über sie, sie umschlingt mich mit warmen nackten Armen und läßt sich küssen, wie ich will. Ich sehe sie bittend an, bis sie mich lachend wiederküßt.
Meine Hand spielt in ihren Haaren, streichelt ihr Gesicht, ihre Ohren. Oh, es ist schön, das Mädchen kennenzulernen in seiner Schönheit! Ich streiche über ihren Nacken und auch über die braunen Beine, die sich zappelnd entwinden möchten. In taumelndem Wechsel von lachendem Jubel und tiefem, tiefem Dank drücke ich meinen Kopf an den ihren, presse ihn an des Mädchens liebe Brust.
Wie dein Herz klopft! flüstere ich.
Du treibst es aber auch schlimm! antwortet Usch.
Zu schlimm?
Schelmisches Kopfschütteln: Schön schlimm!
Meine Hand streicht über ihre Arme, immer wieder, immer anders möchte ich Usch sagen, wie lieb ich sie habe. Ich streiche über ihre Wangen, ihren Hals, ich kann keinen Halt machen und lege ganz leise die Hand auf ihre Brust. Seltsam süße Erfüllung durchrieselt mich. Fest und rund sind Uschs Brüste, heftig pocht es in der linken, immer möchte meine Hand von einer zur anderen wandern. Aber Usch schiebt sie sanft fort und schaut mich flehentlich an: Bitte bitte Thomas, das nicht!
Böse?
Kopfschütteln.
Aber?
Usch drängt sich fest an mich.
Angst! flüstert sie.
Da küsse ich ihre zerzausten Haare: Angst soll das Mädchen nie haben!
Usch nickt: Ja, und etwas mußt du dem Mädchen doch lassen!
Aber einmal gibt es mir alles?
Das darf man nicht fragen, das Mädchen hat schon viel gegeben, viel mehr als es dürfte. Das Mädchen muß unsere Liebe behüten!
(Vergl. Drehbuch, Einstellungen 227-240)

Aus "Ursula"
Ursulas bisher krampfhaft zurückgehaltene Tränen rinnen über ihre Wangen. Und doch versucht sie mühsam zu lächeln: Nicht gar zu traurig sein, im Sommer kommst du vier Wochen zu mir nach Hohenwulkow. Sieh, Thomas, das wird noch schöner, als es jemals hier gewesen, dann sind wir nicht nur Stunden, denk' Thomas, dann sind wir ganze Tage, Wochen für uns beide allein da! Darauf mußt du dich freuen diesen ganzen Winter und Frühling!
Mein Schmerz wühlt zu grausam tief, als daß ich weinen könnte. Ich kann nur immer wieder ihr tränennasses Gesicht küssen und das Mädchen flehentlich umschlingen.
Ja, Usch, ich komme zu dir! spreche ich dumpf ...
Auf Wiedersehen, du lieber Thomas? flüsterte Usch stockend. Vergiß nie deine Usch, deine deine Usch! Auf Wiedersehen in Hohenwulkow ...
Zum letzten Male spürte ich ihren Mund.
Ja, Usch, im Sommer!
(Vergl. Drehbuch, Einstellungen 389-392) *
Verzeih' mir, Du lieber Thomas, daß ich Dich ohne Abschied reisen ließ. Ich bin ja nachts zu Dir gekommen und habe Dich noch einmal sehen dürfen! Nein, ich habe keinen anderen geliebt, ich habe immer nur auf Dich gewartet und an unser Wiedersehen geglaubt.
Man schalt mich kindisch, da ließ ich das Gerücht von einer Verlobung aufkommen, um Ruhe zu haben. Und nun warst Du wiedergekehrt, all' meine Hoffnung hatte sich erfüllt. Ich spürte, daß Du meine Liebe nicht mehr für wahr nehmen wolltest, ich wußte aber nicht, daß Du mich wirklich für verlobt hieltest ...
In der Nacht vor Deiner Abreise stand ich auf, sehnte mich plötzlich, Dein Bild zu sehen. Ich fand das Päckchen Fotografien, die Du mir geschenkt hast, und schaute eine um die andere an. Ein Papier flatterte zu Boden, ich wollte es beiseite tun, da las ich Deinen Namen - es war Deine Verlobungsanzeige mit Regine.
O das tat so weh, Thomas, ich stand allein und verlassen in meinem Stübchen, in einer großen Dunkelheit und Einsamkeit, ich sah all' mein Hoffen und Glauben in die Nacht verrinnen. Ich vermochte nicht zu weinen, ich bezwang mich und ging zu Dir hinüber, küßte Dich nicht schon zum Abschied Deiner Reise, sondern schon ganz fern, in schönen fernen zerbrochenen Träumen ...
Ich quäle mich sinnlos und hilflos, ich schreibe Dir noch diesen Gruß und werde dann fortgehen aus Deinem Leben.
Jetzt bin ich ganz ruhig und will Dir noch sagen, daß ich keinen Vorwurf gegen Dich habe und daß Du mir nicht reumütig nachtrauern sollst! Sieh', Thomas, in unserem ersten glücklichen Sommer glaubte ich, daß ich Dich nie lassen dürfte. Später aber begriff ich, daß Du Deinen Weg allein und unbeeinflußt gehen müßtest, wenn er gerade sein und zu unserer Liebe heimführen sollte. Ich überwand mich, Dich nicht zu drängen und nichts zu fordern.
Thomas! Hilf mir, unser Versprechen zu halten, das wir uns fast als Kinder noch gaben: keiner darf uns unsere Liebe nehmen, und wenn wir sie fortgeben, soll es aus unserem Willen und ohne Beschuldigung sein. Ich weiß nun, daß ich alle Liebe Dir und Regine schenken muß, und tue es gern, so gern!
Du darfst Regine niemals enttäuschen. Versprich mir, daß Du bei ihr bleibst! Ich weiß keinen anderen Ausweg, Dich ihr zu erhalten.
Bald ist ja alles gut. Deine, Deine Usch.
(Vergl. Drehbuch, Einstellungen 548-558)

DER SPIEGEL 40/1951
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