27.03.1951

HOHLSPIEGEL

DIE STADTVERWALTUNG von Burg auf Fehmarn hat sich entschlossen, die vor dem Krieg an Reichsführer SS Heinrich Himmler verliehene Ehrenbürgerschaft zu widerrufen.
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IN DEM FRAGEBOGEN, den die Bundesregierung an Schwerbeschädigte und Hinterbliebene zur Gewährung der Ausgleichsrente auf Grund des neuen Bundesversorgungsgesetzes ausgegeben hat, lautet die letzte Frage: "Falls Sie nicht erwerbstätig sind und außer der Rente über keinerlei Einkommen verfügen, wollen Sie angeben, wovon Sie den Unterhalt für sich und Ihre Familie bestreiten."
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ZUR GEMEINDERATSWAHL in der Gemeinde Weinsbach, Gemeindeverwaltung Eckartsweiler (Krs. Öhringen/Schwaben) waren sieben Kandidaten, darunter drei Heimatvertriebene, aufgestellt worden. Der Schmied Goth, bisher schon im Gemeinderat vertreten, wurde zur Wiederwahl nominiert. Neun Tage vor dem Wahltermin starb er. Um zu verhindern, daß ein Heimatvertriebener als Ersatzmann einspringt, pochte der Wahlausschuß auf die Bestimmung, nach der 14 Tage vor dem Wahlgang Aenderungen der Kandidatenlisten unzulässig sind. Der tote Schmied Goth blieb auf der Liste und wurde mit Mehrheit wiedergewählt. Sein Platz im Gemeinderat wird jetzt von einem Einheimischen besetzt.
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VERSPRECHUNGEN, wonach die Stadt Passau für den Bau des Kraftwerkes Oberilzmühle eine größere Zuwendung aus ERP-Mitteln erhalte, hätten sich nicht erfüllt, bedauerte der Passauer Oberbürgermeister Dr. Stefan Billinger auf einer Hauptausschuß-Sitzung. Bundestagsabgeordneter Freiherr von Aretin (Bayernpartei) habe ihm telefonisch mitgeteilt, die Mittel würden bereits angewiesen und Oberilzmühle werde nichts bekommen, es sei denn, man könne nachweisen, daß dieser Bau besonderen militärischen Wert besitze.
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ALS LETZTE GESAMTBERLINER Einrichtung ist jetzt auch das Fundbüro der Berliner Verkehrsbetriebe gespalten worden. Seit März verfügt der Sowjetsektor über ein eigenes Fundbüro.
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DER FUTTERSATZ eines Blindenhundes sei höher als der Betrag, der den Sozialrentenempfängern der niedrigsten Klasse verbleibe, erklärte der Abgeordnete Weißhäuptel (SPD) im sozialpolitischen Ausschuß des bayrischen Landtages. Diese unterste Rentner-Klasse erhält 68 bis 75 Pfennig pro Tag.
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PER FLASCHENPOST infiltriert die SED des mecklenburgischen Kreises Hagenow östliche Propaganda in den niedersächsischen Kreis Lüneburg. Mehrere Weinflaschen, mit roten Wimpeln gekennzeichnet und mit kommunistischen Schriften gefüllt, wurden von Fischern bei Hohnstorf aus der Elbe gefischt.
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AUF DEM MÄRZPROGRAMM der Oldenburger "Brücke" stand ein Vortrag über Mahatma Gandhi. Der angekündigte Redner - Mr. D. J. Wright, British Resident von Lüneburg, Wohnsitz in Winsen (Kreis Harburg) - stellte sich seinen dichtgedrängten Zuhörern vor: "I'm sorry, von dem Thema des heutigen Abends verstehe ich gar nichts. Aber als ich kürzlich mit meinem alten Freund Mr. Dick, dem Leiter der Oldenburger Brücke telefonierte, forderte er mich auf, ihn doch mal zu besuchen. Ich sagte ihm, die Reise sei zu lang und zu teuer. Darauf meinte er, ich solle doch einfach einen Vortrag halten, dann sei die Reise duty. So bin ich also gekommen. Als mir mein Freund dann sagte, ich solle über Gandhi sprechen, konnte ich ihm bloß erwidern, ein Vortrag über Brandy wäre mir lieber gewesen."
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"AN PFERDEFLEISCH müssen wir uns mehr als bisher gewöhnen, denn der gewaltige Ueberhang an Pferden kann nur durch Ausschlachtung minderwertiger Tiere beseitigt werden", erklärte Prof. Dr. Loewe aus Hannover vor dem Kaltblutzüchterverein für den Regierungsbezirk Lüneburg in Uelzen (Niedersachsen). In Westdeutschland beträgt der Anteil des Pferdefleisches am Gesamtfleischverbrauch nur 3 Prozent, in Belgien dagegen 16 Prozent.
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WEITAUS HÖHER als in anderen Berufen sei die Unfallziffer der Bundestagsabgeordneten, erklärte MdB Landrat Tobaben aus Stade auf einer Versammlung in Lüneburg. Die nicht abreißende Serie ihrer Verkehrsunfälle beweise deutlich genug die aus dauernder Überarbeitung resultierende hochgradige Nervosität der Bonner Volksvertreter.
DER STEINERNE SOLDAT auf dem Gefallenen-Ehrenmal vor dem Schloßtheater in Celle war schon mit einem schwarzen Tuch verhüllt, als sich Bildreporter J. G. Jung auf ein anonymes Schreiben hin gegen 0.30 Uhr auf dem Denkmalplatz einfand. Dort traf er mehrere auswärtige Mitglieder der "Gemeinschaft der Kriegsgeneration", eines nicht eingetragenen Vereins ehemaliger Frontkämpfer, die erklärten, daß sie das Denkmal verhüllt hätten, um ihre Empörung gegen die zur Zeit im Celler Schloßtheater laufende Aufführung des Zuckmayer-Dramas "Der Gesang im Feuerofen" sichtbar zu machen. Das Stück enthalte schlimmste Diffamierungen des deutschen Soldaten, meinte der Wortführer der Gruppe, durch die fünf Millionen deutsche Gefallene beleidigt würden. (Zuckmayers neuestes Werk, von den Theaterkritikern mit großer Zurückhaltung aufgenommen, schildert Zusammenstöße deutschen Militärs mit französischen Widerständlern.)
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EINE VORSTANDSDELEGATION des Oesterreichischen Zeitschriftenverbandes unter Führung von Präsident Dr. Friedrich Funder (Chefredakteur der katholischen Wochenschrift "Die Furche") erschien beim österreichischen Innenminister Dr. Helmer in Audienz, um ihn auf die Gefahren eines Ueberhandnehmens von westdeutschen Zeitschriften in Oesterreich aufmerksam zu machen. Die Verbreitung nazistischer Ideologie durch die Verherrlichung ihrer Größen sowie der übrige Schmutz und Schund in diesen Publikationen seien geeignet, die demokratische Entwicklung Oesterreichs auf das schwerste zu gefährden. Die bereits sehr bedrohliche Situation erfordere dringend Abhilfe.
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DER EHEMALIGE OBERST Freiherr von Bibra ließ nichts unversucht, um vom Versorgungsamt in eine bessergestellte Kategorie eingereiht zu werden. Als alle mit amtsärztlichen Gutachten versehenen Gesuche abgeschlagen wurden, setzte sich Freiherr von Bibra hin und schrieb dem Amt einen wütenden Brief: "... für alle Schäden, die mir hierdurch bei der Neugründung der durch den Wehrdienst verlorenen Existenz entstehen, werde ich den Staat ersatzpflichtig machen und die verantwortlichen Beamten zu gegebener Zeit unnachsichtig zur Rechenschaft ziehen lassen." Oberst a. D. von Bibra hat sich demnächst wegen Beamtennötigung zu verantworten.

DER SPIEGEL 13/1951
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