24.11.2003

PROZESSEEsser befreit KPMG von Schweigepflicht

Ausgerechnet Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser hat die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft vor einem möglichen Rückschlag in dem am 21. Januar beginnenden Mannesmann-Prozess bewahrt. Vergangene Woche befreite Esser die Wirtschaftsprüfer von KPMG in vollem Umfang von ihrer Verschwiegenheitspflicht. Damit können die drei von der Staatsanwaltschaft als Hauptbelastungszeugen benannten KPMG-Prüfer in dem Strafprozess gegen Esser, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und den ehemaligen IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel aussagen. Essers Genehmigung war eine wochenlange Zitterpartie in der Justiz vorangegangen. Völlig überraschend hatte die KPMG beteiligten Anwälten angedeutet, dass sie in dem Prozess von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen werde. Als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, so die Argumentation, unterliege man gegenüber dem ehemaligen Vorstand einer Verschwiegenheitspflicht, die nach jüngster Rechtsprechung nur von Esser persönlich aufgehoben werden könne. Eine fatale Situation für die Ermittler. Denn zentrale Vorwürfe ihrer 460-seitigen Anklageschrift basieren auf Angaben, die KPMG-Mitarbeiter im Laufe des Ermittlungsverfahrens vor der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf gemacht haben (SPIEGEL 34/2003). Ohne weitere Aussagen der Wirtschaftsprüfer vor Gericht hätten die umfangreichen Vernehmungsprotokolle nach Ansicht hochrangiger Juristen jedoch wenig Beweiswert gehabt.

DER SPIEGEL 48/2003
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Esser befreit KPMG von Schweigepflicht