20.12.2003

BEUTEKUNSTMoral oder Recht?

Seit 1985 leitet Sabine Fehlemann ohne größere Malaisen das beschauliche Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum. Nun ist es mit der Gemütlichkeit im Bergischen Land erst einmal vorbei. Die Direktorin fühlt sich brüskiert - von ihrem Arbeitgeber. Denn ohne sie je "konsultiert zu haben", hat jetzt der Rat der Stadt beschlossen, drei bedeutende Werke aus Museumsbesitz - je eines von Otto Scholderer, Adolf von Menzel und Hans von Marées - an die Erben der früheren, jüdischen Besitzer zurückzugeben. Die Bilder sind in den Jahren 1937 bis 1939 zwangsversteigert worden und später bei heute unklar erscheinenden Besitzverhältnissen vom Museum erworben oder ihm geschenkt worden. Direktorin Fehlemann will mutig für ihre "Bilder kämpfen", weil sie fürchtet, der Rat habe, "getrieben von der Angst, etwas falsch zu machen", die drei Arbeiten "voreilig" zurückgegeben. Man hätte noch juristische Gutachten abwarten müssen oder mit den Erben verhandeln können. In Wuppertal seien "moralische Aspekte über Recht und Gesetz" gestellt worden. Mit dieser Meinung setzt sich die Museumsfrau trotzig von der inzwischen in Deutschland üblichen Linie ab, wonach auch in unklaren Fällen im Zweifel vorrangig für die Erben der ursprünglichen Kunst-Eigentümer entschieden wird.

DER SPIEGEL 52/2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 52/2003
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

BEUTEKUNST:
Moral oder Recht?

  • Hawaii: Der klammernde Oktopus
  • Der brustschwimmende Weißkopfseeadler: Warum fliegt er nicht?
  • Urteil in London: Lebenslang für U-Bahn-Schubser
  • Waldbrand in Brandenburg: Feuer auf ehemaligem Truppenübungsplatz