29.12.2003

ISRAEL/PALÄSTINAGemeinsam in den Abgrund

Welche Gnade des Schicksals ein wirklich verlässlicher Feind sein kann, haben im vergangenen Jahr nur wenige Politiker so nachdrücklich erfahren wie Ariel Scharon, 75, und Jassir Arafat, 74. Ohne den palästinensischen Hasardeur Arafat, der von Frieden redet, aber Terror duldet, hätte der israelische Premier längst die ersten Siedlungen im besetzten Westjordanland und im Gaza-Streifen räumen müssen, stünden jetzt womöglich gar Verhandlungen über den Status Jerusalems an. Der Autonomiechef wiederum wäre schon von Reformern im eigenen Lager kaltgestellt worden ohne den Hardliner Scharon, der von seinem Volk "schmerzliche Kompromisse" gegenüber den Palästinensern fordert, aber weiter einen anti-terroristischen Schutzwall weitgehend auf palästinensischem Gebiet vorantreibt. So jedoch bescherten Selbstmordattentäter dem israelischen Regierungschef im Januar die Wiederwahl. Israels Isolationspolitik wiederum, der grundsätzliche Beschluss Arafat des Landes zu verweisen inklusive, verschafften dem im eigenen Lager mehr und mehr isolierten Palästinenserführer die Gloriole eines Helden. Einig waren sich Scharon und Arafat, die sonst nur gegenseitige Verachtung verbindet, allerdings Ende November - in der Kritik an einem alternativen Friedensplan, den engagierte Israelis und Palästinenser in Genf vorstellten. Wenn es gegen Kompromisse für den Frieden geht, können sich die beiden blind aufeinander verlassen.

DER SPIEGEL 1/2004
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Gemeinsam in den Abgrund