05.01.2004

KUNSTArchäologie des Vergänglichen

Graffiti sind Kunst, Verbrechen oder subkulturelle Reviermarkierung - je nach Standpunkt. Vor allem aber sind sie selten von Dauer: Haus- und Firmenbesitzer sehen ihre Wände lieber im Einheitslook, und rivalisierende Sprayer kämpfen um die oberste Farbschicht auf der Mauer. Damit übermalte Kunstwerke nicht gänzlich der Vergessenheit anheim fallen, hat der Graffiti-Künstler Cassidy Curtis jetzt das Web-Projekt Graffiti Archaeology ins Leben gerufen: Statt einfach nur die schönsten Bilder ins Netz zu stellen, zeichnet der gebürtige New Yorker den wechselvollen Werdegang ausgewählter Mauern und Tunnel in San Francisco nach*. Mittels einer Zeitleiste lässt sich Farbschicht um Farbschicht entblättern; es öffnet sich der Blick auf längst vergangene Werke, die häufig nur wenige Tage zu sehen waren, ehe sie wieder übermalt wurden. Die Einordnung der oft
undatierten und ohne Ortsbezeichnung eingereichten Fotos ist für Cassidy echte archäologische Puzzlearbeit: "Es ist, als buddelte man einen Haufen Tonscherben aus, die man anschließend wieder zusammensetzen muss."
* Graffiti Archaeology: www.otherthings.com

DER SPIEGEL 2/2004
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