12.01.2004

SACHBUCHNützliche Faulheit

Zu den beliebtesten Begriffen des vergangenen Jahres gehört die "Entschleunigung". Die Sache selbst ist so neu nicht, nur hieß sie früher Müßiggang oder schlicht Faulheit. Mit einem Buch gewürdigt wurde das Nichtstun schon von Marx'' Schwiegersohn Paul Lafargue, hatte doch sein Schwiegervater die Arbeit zum Ausdruck des Menschseins erklärt. Der Journalist und Sachbuchautor Wolfgang Schneider erinnert nun "angesichts der modernen Hypertrophie der Arbeit" an den "nahezu vergessenen Sinn und Nutzen der Faulheit". In einer Enzyklopädie versammelt er Zeugnisse bekennender Müßiggänger aus zwei Jahrtausenden. Dass bewusster Müßiggang die Produktivität steigert, bestätigen in dieser Zitatensammlung Aristoteles und Epikur, Einstein und Nietzsche, Heinrich Böll und Kurt Tucholsky. Höchste Zeit, sagt Schneider, sich wieder mit Verstand dem Faulsein zu widmen, denn Hannah Arendts Prophezeiung einer "Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist", sei inzwischen eingetroffen. Statt also fixiert zu sein auf etwas, was es nicht mehr gibt, sollen wir uns dem widmen, was wir haben - Muße. Schneider selbst konnte es nicht mehr. Er starb im vergangenen Frühjahr, zwei Wochen nach Abgabe des Manuskripts, im Alter von 65 Jahren bei einem Autounfall.
Wolfgang Schneider: "Die Enzyklopädie der Faulheit". Eichborn Verlag, Frankfurt am Main; 192 Seiten; 24,90 Euro.

DER SPIEGEL 3/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 3/2004
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

SACHBUCH:
Nützliche Faulheit