29.05.2004

KARIBIKReißende Fluten

Illegale Bebauung von Flussufern hat auf der Insel Hispaniola dazu beigetragen, dass bei der jüngsten Unwetterkatastrophe bis Donnerstag etwa 2000 Menschen ums Leben kamen. Nach sintflutartigen Regenfällen hatte sich das ausgetrocknete Bett des Río Blanco im Grenzgebiet zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik binnen Minuten mit Wasser gefüllt. Die Flut riss etwa 300 Hütten mit, die Landarbeiter an den Ufern errichtet hatten. Die meisten Opfer sind Haitianer. Zehntausende Wanderarbeiter aus dem bettelarmen Karibikstaat strömen jedes Jahr illegal in die benachbarte Dominikanische Republik, um dort bei der Zuckerrohrernte zu helfen. Die Bebauung der Flussufer ist verboten, doch die meisten Siedler ignorieren das. Sie haben kein Geld für eine legale Behausung und besetzen daher öffentlichen Grund. Der Río Blanco, der in Haiti entspringt, führte seit Jahren kein Wasser, deshalb hatten die Behörden nichts unternommen. Haiti, dessen Wälder zu 90 Prozent abgeholzt sind, leidet normalerweise unter extremer Dürre. Bereits einen Tag nach der Katastrophe war das Flussbett wieder trocken. Experten machen auch den weltweiten Klimawandel für die Tragödie verantwortlich. Starke Regenfälle treten normalerweise erst während der Wirbelsturmzeit im August und September auf.

DER SPIEGEL 23/2004
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